E.on und RWE haben in einer Pressemitteilung eingeräumt, dass ihr geplanter Deal Tausende Arbeitsplätze kosten könnte. Darin berufen sie sich auf "erste Berechnungen", wonach der Abbau von "maximal 5.000" Stellen zu erwarten sei. Allerdings würden diese ersten Jobverluste weniger als sieben Prozent der künftigen E.on-Belegschaft ausmachen, heißt es weiter.

Zugleich rechnet E.on damit, dass das Unternehmen in den kommenden zehn Jahren "Tausende neue Arbeitsplätze" schaffen könnte. Mit der Übernahme des Netz- und Vertriebsgeschäfts der RWE-Tochter Innogy erwartet E.on ab dem Jahr 2022, Kosten in Höhe von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich zu sparen.

E.on und RWE hatten sich auf einen umfangreichen Tausch von Vermögenswerten und Geschäftsbereichen geeinigt. So soll E.on mit Innogy zuständig für Netze und die Versorgung der Kunden mit Strom und Gas sein, RWE will Kraftwerke betreiben und Strom erzeugen. Dem Plan müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

RWE will seinen Innogy-Anteil von 76,8 Prozent an E.on übertragen. E.on unterbreitete den Innogy-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot, bei dem die Anteilseigner mit Stand Montagabend je Aktie 40 Euro erhalten sollen. Mehr Informationen dazu wollen E.on-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Dienstag geben; für 9 Uhr ist dafür eine Pressekonferenz in Essen angesetzt.

Experten sehen keine Gefahr der Monopolbildung

Wettbewerbsexperten sehen wegen der anstehenden Änderungen auf dem deutschen Energiemarkt keinen Grund zur Sorge. Die Gefahr einer Monopolbildung bestehe bei E.on nicht. "Die Konzentration von E.on auf Netze und Vertrieb ist aus Wettbewerbssicht unkritisch zu sehen", sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der Rheinischen Post. "Im Stromvertrieb sind Markteintrittsbarrieren gering, sodass hier wenig wettbewerbliche Bedenken vorliegen." Außerdem seien Stromnetze in Deutschland so reguliert, dass die Unternehmen nicht über den Preis konkurrieren.

Im Gegensatz dazu sieht Wambach den Machtzuwachs bei RWE kritischer. RWE will neben der Stromerzeugung durch Kohle- und Atomkraft auch die erneuerbare Energiesparte übernehmen, die bisher bei ihrer Tochter Innogy lag. Dadurch werde RWE  "in zwei Märkten an Gewicht gewinnen, deren Relevanz in der Zukunft deutlich zunehmen wird", sagte Wambach. Es sei "bedauerlich", wenn sich der große Spieler E.on hier zurückziehen würde.

Bundesregierung spricht Unternehmen Vertrauen aus

Die Bundesregierung lobte die Pläne von RWE und E.on, den Energiemarkt in Deutschland neu aufzuteilen. "Ich habe Vertrauen in unsere Energieunternehmen, dass sie auf jeden Fall die beste Variante suchen, wie sie die Energiewende und die nachhaltige Energieversorgung schaffen können", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu. Die scheidende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) betonte, es sei "gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger" gebe. Ihr designierter Nachfolger Peter Altmaier (CDU) sagte, die Politik dürfe sich nicht in einzelne Entscheidungen von Unternehmen einmischen.

Hingegen forderte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller: "Das Bundeskartellamt muss jetzt genau prüfen, welchen Einfluss die Fusion auf private Verbraucher hat." Die Strompreise für Verbraucher dürften nicht noch weiter ansteigen, sagte Müller. Diese seien "ohnehin zu hoch".

Der Vorsitzende des Bunds der Energieverbraucher, Aribert Peters, ging noch einen Schritt weiter. Er forderte das Bundeskartellamt auf, eine Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch E.on zu untersagen: "Wir befürchten, dass das auch zu höheren Strompreisen für Verbraucher führt."

Der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mahnte RWE und E.on, Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem sollten die Strompreise nicht steigen, "sondern eher sinken", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.