Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat vor dem Hintergrund des Missbrauchs von Nutzerdaten einen Vertrauensbruch eingeräumt. "Es tut mir echt leid", sagte er in einem Interview. Damit entschuldigte sich der Gründer des Netzwerks zum ersten Mal persönlich für Versäumnisse seines Unternehmens in der Affäre um millionenfach abgeschöpfte Profile von Nutzern des Onlinedienstes. Dem US-Sender CNN sagte er, die Vorgänge seien "ein massiver Vertrauensbruch".

Das Gespräch war Zuckerbergs erstes Interview seit Bekanntwerden des Falles Ende vergangener Woche. Zuvor hatte er in einem Posting auf seiner Facebookseite eingeräumt, dass sein Unternehmen Fehler gemacht habe. Damit nahm er Stellung zu den Vorwürfen, wonach Daten von 50 Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung an die Analysefirma Cambridge Analytica weiterverkauft worden seien. Mehrere Parlamente hatten ihn bereits aufgefordert, sich zu erklären. In den USA und Großbritannien leiteten die Behörden zudem Untersuchungen gegen das Unternehmen ein. 

"Wir tragen die Verantwortung für den Schutz Ihrer Daten und wenn wir das nicht können, verdienen wir es nicht, Ihnen zu dienen", schrieb Zuckerberg. Die wichtigsten Maßnahmen, um weiteren Missbrauch zu verhindern, seien bereits in den vergangenen Jahren erfolgt, sagte der Facebook-Chef. Sein Unternehmen wolle die Daten von Nutzerinnen und Nutzern in Zukunft noch besser schützen. Ein Großteil der von ihm dafür angekündigten Maßnahmen zielt darauf, den Zugriff von App-Entwicklern einzuschränken. So sollen Facebook-Apps, die man drei Monate lang nicht genutzt hat, automatisch die Zugangsberechtigung verlieren. 

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt

Zuckerberg verwies auch darauf, dass die Analyse-Firma Cambridge Analytica, die unter anderem für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete, unrechtmäßig an die Daten gekommen sei. Facebook hatte sich am Dienstag bereits "entrüstet" über die mutmaßliche Verwendung von Nutzerdaten durch die britische Firma für den US-Wahlkampf geäußert. Das Unternehmen teilte mit, es sei "betrogen" worden. In einer Erklärung hieß es weiter, das Unternehmen sehe sich verpflichtet, seine Regeln zum Schutz der Nutzerdaten "rigoros umzusetzen". Alle dafür notwendigen Schritte würden ergriffen. Schon zuvor hatte das Unternehmen externe Experten mit der Untersuchung des Datenskandals beauftragt.

Die New York Times und der Observer hatten am Wochenende berichtet, Cambridge Analytica sei mittels einer von einem Psychologen entwickelten App in den Besitz der Facebook-Nutzerdaten gelangt. Diese Daten habe die Datenanalysefirma dann für die Entwicklung einer Software benutzt, um Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen. Die Software habe es erlaubt, politische Anzeigen zu schalten, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden und damit besonders effektiv waren. 

Die individuelle Ansprache von Wählern über die sozialen Netzwerke war als einer der Schlüssel für Trumps überraschenden Wahlsieg im November 2016 angesehen worden. Cambridge Analytica bestreitet indes, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben.

"Nur begrenzte Schritte, um Daten abzusichern"

Die britische Observer hatte weiter berichtet, Facebook habe schon im Jahr 2015 von dem Abfischen von Nutzerdaten durch Cambridge Analytica erfahren. Das Unternehmen habe damals die mehr als 50 Millionen betroffenen Nutzer darüber nicht informiert und auch "nur begrenzte Schritte" ergriffen, die Nutzerdaten zurückzuholen und abzusichern.

In den USA nahm laut Medienberichten inzwischen die Handelsaufsichtsbehörde FTC Untersuchungen zu dem Fall auf. In den Bundesstaaten New York und Massachusetts teilten die Staatsanwaltschaften mit, schriftlich Aufklärung von Facebook eingefordert zu haben.

Auch die britische Datenschutzbehörde nimmt das Verhalten von Facebook unter die Lupe. Sie prüfe, inwiefern Facebook die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten und ob das Unternehmen "angemessen reagiert" habe, sagte Behördenchefin Elizabeth Denham. Sie will auch einen Durchsuchungsbefehl gegen Cambridge Analytica erwirken.

Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerin Katarina Barley verlangte von Facebook eine Erklärung. "Das europäische Facebook-Management muss zu diesem Skandal umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dafür werde sie Vertreter des weltgrößten sozialen Netzwerks ins Justizministerium laden. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.

Auswirkungen auf die Demokratie

Neben den Ermittlungsverfahren wird Facebook auch durch parlamentarische Untersuchungen unter Druck gesetzt. Europaparlamentspräsident Antonio Tajani schrieb auf Twitter, das Parlament habe Konzernchef Zuckerberg eingeladen. Facebook müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren". EU-Justizkommissarin Vera Jourová sagte, in dem Fall gehe es nicht nur um den Schutz persönlicher Daten, er habe "massive Auswirkungen" auf die demokratische Debatte und Wahlen. Es sei in das Privatleben von Menschen eingegriffen worden, fügte sie hinzu. Es handele sich um eine "heftige Manipulation" von Meinungen, die sich in Wahlergebnissen spiegelten. Auch Bundesjustizministerin Barley warnte, solche Wahlkampfmethoden seien eine Gefahr für die Demokratie.

In London sagte der Vorsitzende des Unterhausausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, dass er Zuckerberg in einem Schreiben aufgefordert habe, vor dem Gremium zu erscheinen. Auch Mitglieder des US-Senats wollen den Facebook-Chef in ihrer Kammer aussagen lassen.

Cambridge Analytica suspendierte unterdessen seinen Geschäftsführer Alexander Nix. Er werde mit sofortiger Wirkung während einer "vollumfänglichen, unabhängigen Ermittlung" von seinen Aufgaben entbunden, teilte die Firma mit. Die Suspendierung wurde nicht mit der Verwendung von Facebook-Daten begründet, sondern damit, dass in heimlich vom Sender Channel 4 mitgeschnittenen Gesprächen Nix unter anderem damit geprahlt hatte, Politiker zu betrügen.