Nach dem Veto von Präsident Donald Trump hat der Chiphersteller Broadcom hat sein Angebot für die Übernahme seines US-Konkurrenten Qualcomm offiziell zurückgezogen. "Auch wenn wir von diesem Ergebnis enttäuscht sind, werden wir uns daran halten", teilte das in Singapur ansässige Unternehmen mit. Broadcom hatte 117 Milliarden Dollar für die Übernahme geboten – es wäre die mit Abstand teuerste Übernahme in der Technologiebranche gewesen.

Trump hatte den Verkauf mit einem Verweis auf eine Gefahr für die nationale Sicherheit blockiert und war damit einer Empfehlung des Komitees für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) gefolgt. Das Gremium prüft bei ausländischen Übernahmen, ob sie die nationale Sicherheit der USA gefährden.

Im Falle von Broadcam und Qualcomm kam eine solche Prüfung zu dem Schluss, dass eine Übernahme die Umstellung der US-Mobilfunknetzwerke auf den Datenfunk 5G verzögern könnte. Qualcomm ist ein wichtiger Entwickler von Technologien für diesen schnellen Mobilfunk. Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China sollen entscheidend für das Veto Trumps gewesen sein – denn die USA befürchten, im Bereich Datenfunk in Abhängigkeit von China zu geraten. Broadcom hatte Sicherheitsbedenken zurückgewiesen und zunächst angekündigt, Trumps Anordnung zu prüfen. Jetzt sieht die Firma aber davon ab, vor Gericht um die Übernahme von Qualcomm zu kämpfen.

Broadcom hält allerdings an seinen Plänen fest, den Firmensitz in die USA zu verlegen. Noch im April soll die Verlagerung von Broadcom nach Kalifornien abgeschlossen werden. Analysten erwarten, dass Broadcom jetzt andere, kleinere Firmen in der Branche übernehmen will. Durch die Verlegung des Firmensitzes von Singapur in die USA dürfte es für Broadcom künftig einfacher werden, US-Unternehmen zu kaufen: Denn wären nur noch inländische Firmen beteiligt, könnte die nationale Sicherheit kein Grund mehr für die Behörden sein, eine Übernahme zu verhindern.

In der Chipbranche kommt es seit einiger Zeit vermehrt zu Fusionen, weil der Wettkampf um die Führung bei neuen Technologien teuer ist. Qualcomm arbeitet derzeit auch daran, den niederländischen Konkurrenten NXP zu übernehmen. In seiner heutigen Form ist Broadcom selbst aus einer milliardenschweren Übernahme hervorgegangen. Laut Marktforschungsinstitut Gartner ist der Konzern derzeit der weltweit sechstgrößte Halbleiterhersteller. Hätte Broadcom Qualcomm übernommen, wäre er auf Platz drei vorgerückt – hinter die Weltmarktführer Samsung und Intel.