Freitag kommender Woche wird es ernst: Dann treten die von Präsident Trump verhängten Strafzölle auf importierten Stahl und Aluminium in Kraft. Am Wochenende ist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach Washington gereist, um die US-Regierung kurzfristig noch von der Einführung abzuhalten.

Dabei sind die Zölle auf Rohmaterialien wie Stahl ein Nebenschauplatz. Die härtesten wirtschaftlichen Auseinandersetzungen werden sich künftig nicht mehr um Güter wie Waschmaschinen, Motorräder, Jeans oder Whiskey drehen, sondern um Technologien und Patent- und Markenschutz. Seit Jahrzehnten drängen US-Unternehmen die Regierung in Washington, weltweit ihre Patente, Marken, Urheberrechte, Lizenzen und Designs zu schützen, etwa indem ausländische Investoren nicht zum Zuge kommen. Inzwischen plant etwa der US-Kongress strengere Regeln für Firmenübernahmen. Deutschland und die EU könnten ähnliche protektionistische Maßnahmen ergreifen. So könnte es am Ende zu einer zunehmenden Abschottung der Märkte kommen.

Qualcomm versus Broadcom

Jüngstes Beispiel ist die Auseinandersetzung zwischen Qualcomm und Broadcom. Anfang der Woche untersagte US-Präsident Donald Trump die Übernahme des US-Chipherstellers Qualcomm durch den ausländischen Konkurrenten. Er blockierte den Verkauf mit dem Verweis auf eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Mit 117 Milliarden Dollar wäre es die größte Tech-Übernahme der Geschichte gewesen. Broadcom war bereit, so viel Geld für Qualcomm auszugeben, denn das Unternehmen gilt als führend bei der Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards 5G.

Noch vor Trumps Anordnung hatte bereits das Committee on Foreign Investment in the US (CFIUS) Broadcoms Plan abgelehnt. Die Behörde ist für die Überwachung von Auslandsinvestitionen zuständig und legte eine interessante Begründung vor: Singapur, der Firmensitz von Broadcom, war weniger das Problem. CFIUS bezweifelte vor allem, dass Broadcom ausreichend in Forschung und Entwicklung investieren würde, um sich gegen den chinesischen Rivalen Huawei Technologies durchzusetzen.

Qualcomm selbst hatte sich an CFIUS gewandt, um das unerwünschte Kaufangebot abzuwehren. Die kleine und kaum bekannte Washingtoner Aufsichtsbehörde, die im Kern aus 16 Juristen besteht und Finanzminister Steven Mnuchin untersteht, hat bereits eine Reihe prominenter Übernahmeverbote ausgesprochen. Im Januar lehnte CFIUS etwa einen Antrag von Ant Financial ab, einer Finanzfirma von Jack Ma, dem Gründer des chinesischen Onlineunternehmens Alibaba. Ant wollte die Überweisungsfirma MoneyGram kaufen. Doch die CFIUS-Prüfer wollten den Chinesen keinen Einblick in die Daten von Millionen Amerikanern gewähren. Im Februar untersagte CFIUS die Übernahme des Chipanlagenbauers Xcerra durch Chinesen. Und es trifft nicht nur chinesische Käufer. Aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagte CFIUS vergangenes Jahr der Münchner Infineon den Kauf des Halbleiterspezialisten Wolfspeed. Und auch dem deutschen Unternehmen Biotest kam CFIUS in die Quere. Die US-Aufseher zwangen den hessischen Arzneimittelhersteller, die US-Töchter zu verkaufen. Erst dann konnte Biotest, ein Hersteller von Blutplasmaprodukten, an den chinesischen Investor Creat verkauft werden.

China will Schlüsseltechnologien besetzen

China steht in besonderem Fokus, schließlich hat Peking das Ziel ausgeben, bis zum Jahr 2025 China zum Weltmarktführer in Schlüsseltechnologien zu machen – notfalls per Ideenklau, wie westliche Wirtschaftsvertreter und Politiker befürchten. Der aktuelle Streit um klassische Handelsbarrieren wie Zölle überschattet den weltweiten Streit um Technologiehoheit. China ist dafür bestens positioniert. Mit Unterstützung der Regierung haben chinesische Investoren das nötige Kapital, um aus einer Idee innerhalb von nur kurzer Zeit ein Produkt in Massenfertigung zu machen. Das hat Anfang der Nullerjahre die Solarindustrie gezeigt. Gezielt habe Beijing damals chinesische Wissenschaftler aus dem Ausland zurück in die Heimat gelockt, sagt Mary Lovely, Handelsexpertin am konservativen Thinktank Peterson Institute in Washington. Sie erhielten nicht nur Finanzmittel, sondern auch den Zugang zu Ressourcen wie Labors. So schafften es chinesische Start-ups in nur wenigen Jahren, den Markt für Solartechnologie aufzurollen. 2001 lag der Marktanteil der Chinesen am Solarzellenmarkt bei nur einem Prozent. 2012 dominierten sie ihn mit einem Anteil von 65 Prozent.