Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen gegen Volkswagen laut einem Medienbericht ausgeweitet. Anfang März hätten die Ermittler 13 Büros in der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg durchsucht und ein neues Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen des Verdachts der Marktmanipulation eröffnet, berichtete die Wirtschaftswoche. Bei den Durchsuchungen seien Unterlagen und größere Datenmengen beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet würden. Ein Sprecher von Volkswagen bestätigte, dass es Untersuchungen gegeben habe. Darüber hinaus wollte er sich unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht äußern.

Bei den Ermittlungen geht es dem Bericht zufolge um möglicherweise falsche Verbrauchs- und damit CO2-Angaben bei Serienfahrzeugen. Geprüft werde der Anfangsverdacht, dass eine von VW im Dezember 2015 herausgegebene Ad-hoc-Mitteilung "objektiv inhaltlich falsch gewesen" sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Wirtschaftswoche. Die für den Börsenkurs und Anleger relevante Mitteilung hatte VW mit der Überschrift "CO2-Thematik weitgehend abgeschlossen" versehen und damit seine vorherige Ad-hoc revidiert. In dieser vorangegangenen Mitteilung hatte VW gemeldet, bei der Bestimmung des CO2-Wertes für die Typzulassung von Fahrzeugen sei es "zu nicht erklärbaren Werten gekommen". Ursprünglich sollten 800.000 Fahrzeuge des Konzerns betroffen sein, die wirtschaftlichen Risiken beliefen sich laut VW auf rund zwei Milliarden Euro.

Rund fünf Wochen später teilte VW dann mit, dass die Aufklärung dazu weitgehend abgeschlossen sei: Nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen sei nun "klar, dass fast alle diese Modellvarianten doch den ursprünglich festgestellten CO2-Werten entsprechen". Der "Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben von aktuellen Serienfahrzeugen" habe sich nicht bestätigt. Bei den internen Nachmessungen seien nur noch bei neun Modellvarianten der Marke Volkswagen leichte Abweichungen festgestellt worden. Betroffen seien nicht mehr 800.000 Fahrzeuge, sondern nur noch 36.000.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig zweifelt diese zweite Ad-hoc-Mitteilung dem Bericht zufolge nun an und beruft sich dabei auf eigene Ermittlungen. Aus dieser möglicherweise falschen Information an den Kapitalmarkt ergebe sich der Verdacht auf Marktmanipulation. Die Staatsanwaltschaft wolle jetzt den Tatverdacht "in alle Richtungen" überprüfen und feststellen, ob und wer von den Handelnden "die objektive Unrichtigkeit der Mitteilung kannte oder diese eindeutig hätte erkennen können".