Bei der Deutschen Bank zeichnet sich ein Führungswechsel ab. Nach Informationen von Spiegel und Handelsblatt will der Aufsichtsratschef Paul Achleitner dem Kontrollgremium am Abend den bisherigen Chef des Privatkundengeschäfts, Christian Sewing, als Nachfolger des bisherigen Vorstandsvorsitzenden John Cryan vorschlagen. Sewing soll demnach zur Hauptversammlung am 24. Mai die Führung der Deutschen Bank übernehmen. Ein Sprecher des Kreditinstituts wollte die Berichte auf Nachfrage nicht kommentieren.

Ende März war Cryan Gerüchten über seine bevorstehende Ablösung entgegengetreten und hatte in einer Erklärung an die Mitarbeiter versichert, "dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weitergehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben". Der Brite führt die Deutsche Bank seit 2015, sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Mai 2020.

Wie der Spiegel schreibt, soll Cryan in den vergangenen Wochen unter Druck geraten sein. Für das Jahr 2017 hatte die Deutsche Bank trotz des erneuten Jahresverlusts angekündigt, 2,3 Milliarden Euro als Boni an die Mitarbeiter zu zahlen. Cryan hatte zudem in der Deutschen Bank weitreichende Umstrukturierungen eingeleitet, deren jüngster Schritt der Börsengang der hauseigenen Vermögensverwaltung DWS gewesen ist. Außerdem hatte er zahlreiche internationale Rechtsstreitigkeiten geerbt, die zu Milliardenzahlungen für Strafen und Kompensationen führten. In den vergangenen drei Jahren schrieb die Bank nur Verluste, der Aktienkurs büßte zuletzt stark an Wert ein.

Sewing ist bislang Co-Vizechef und im Vorstand der Bank zuständig für das Privatkundengeschäft. In den vergangenen Tagen soll Paul Achleitner die Personalie laut Spiegel mit wichtigen Aktionären besprochen haben. Der Aufsichtsratschef habe auch mit externen Kandidaten Kontakt gehabt, sich dann aber für eine interne Lösung entschieden.