Durch die Sanierung beim Autokonzern Opel sind in den Werken in Eisenach und Rüsselsheim mehrere hundert Jobs gefährdet. Wie die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Teilnehmer einer internen Betriebsversammlung berichtet, könnten in Rüsselsheim in den nächsten zwei Jahren 2.700 von insgesamt 7.700 Stellen gestrichen werden. In Eisenach ist die Hälfte der 1.800 Arbeitsplätze vom Abbau betroffen.

Die Belegschaft sei geschockt, sagte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Ein solches Verhalten hätten die Mitarbeiter selbst unter dem früheren Eigner General Motors nie erlebt. Bereits damals waren bei Opel Tausende Stellen gestrichen und Werke geschlossen worden, darunter das Werk in Bochum. Der Betriebsrat wirft Opel vor, die Beschäftigten mit der Drohung von Arbeitplatzabbau unter Druck zu setzen, um in den laufenden Verhandlungen über die Auslastung der Werke Zugeständnisse zu erreichen.

Derzeit verhandeln der neue französische Eigentümer PSA und die Gewerkschaft IG Metall um die Zukunft der Standorte in Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim. Unter dem Druck des französischen Mutterkonzerns muss Opel seine Kosten deutlich senken – dazu legte der Autobauer im vergangenen Dezember Programme für Altersteilzeit und Vorruhestand sowie Ende März ein Programm für freiwillige Abfindungen auf. Auch die Werke in Deutschland stehen zur Debatte. So will die PSA-Gruppe in Eisenach nur ein elektronisches Fahrzeugmodell bauen, was das Werk nicht auslasten würde und somit den Verlust von zahlreichen Stellen zur Folge hätte.

Die IG Metall will jedoch, dass die PSA-Gruppe die Verträge zur Auslastung der Werke einhält, die bereits mit dem früheren Opel-Eigner General Motors vereinbart wurden. Nach Darstellung der Gewerkschaft verlangt der neue Mutterkonzern jedoch Zugeständnisse, damit diese Zusagen überhaupt eingehalten werden. Demnach könnten Werksschließungen nur vermieden werden, wenn die Opel-Beschäftigten im Gegenzug für Investitions- und Beschäftigungszusagen auf Einkommen verzichten.

Betriebsrat fordert Einhaltung der Verträge

Betriebsratschef Schäfer-Klug warf nun dem PSA-Chef Carlos Tavares vor, kein Konzept für die Zukunft von Opel zu haben. "Wir möchten ein nachhaltiges Standortkonzept, das über das Jahr 2020 hinausreicht", sagte er. Dazu habe PSA bisher nichts geboten. So geht es laut Schäfer-Klug "um die Existenz von Opel. Es geht um Existenzen, um Arbeitsplätze in der Stadt, um die Sicherung der Standorte."

Auf der Betriebsversammlung in Eisenach hat der Betriebsrat nun von der PSA die Einhaltung der geltenden Verträge gefordert. So müssten die Standorte bis 2020 gesichert und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. "Für diese Zusagen haben wir bereits auf Lohn verzichtet", sagte eine Teilnehmerin der Versammlung. Allerdings gab es von der PSA bisher noch kein zufriedenstellendes Angebot, hieß es in Teilnehmerkreisen. Stattdessen forderte der Mutterkonzern, tarifliche Lohnerhöhungen und Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld stunden zu dürfen, was einer Streichung gleichkäme.