Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, hat gefordert, Selbstständige, die für Onlinevermittler wie Uber arbeiten, gesetzlich besser zu schützen. Unternehmen, die sich nur als Vermittler zwischen dem Kunden und dem Dienstleister sehen, müssten ihre Verantwortung als Arbeitgeber anerkennen, sagte Hoffmann der Neuen Osnabrücker Zeitung

Der DGB-Chef fordert daher, die Tarifbindung auf diese Unternehmen auszuweiten. Auch Menschen in der sogenannten Plattformökonomie brauchten Pausen und müssten sozial abgesichert sein. "Es kann nicht sein, dass der Achtstundentag aufgelöst wird und es keine elfstündigen Ruhezeiten mehr gibt." Es entstehe ein "digitales Proletariat", wenn die Regeln für den digitalen Kapitalismus nicht weiterentwickelt würden. Dann drohe "moderne Sklaverei".

Arbeitnehmerrechte wie maximale Arbeits- und notwendige Ruhezeiten sind in Deutschland im Arbeitszeitgesetz geregelt. Es gilt nur für Angestellte. Um für ein Plattformunternehmen wie Uber zu arbeiten, müssen Interessenten sich allerdings selbstständig machen. Das Unternehmen vermittelt lediglich die Aufträge. Dadurch haben die Fahrerinnen und Fahrer keine Urlaubsansprüche oder Anspruch auf Lohnausgleich im Krankheitsfall, da sie nicht bei Uber angestellt sind.

Unternehmen, die nach diesem Modell arbeiten, argumentieren, dass es die Menschen flexibler mache: Sie könnten entscheiden, für wen und wie viel sie arbeiten. Auch könne die Tätigkeit jederzeit unterbrochen werden, wenn sich eine andere Möglichkeit ergibt.

Zwei Millionen Selbstständige in der Plattformökonomie

Der DGB schätzt, dass in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen in der Plattformökonomie arbeiten. Bis zu eine Millionen davon sind laut Hoffmann als sogenannte Crowdworker registriert, deren Dienste man online einkaufen kann: Der Bau einer Website oder das Prüfen eines Datensatzes etwa. Auch Plattformen wie Amazons Mechanical Turk fallen darunter. Dort können Menschen Kleinstaufgaben übernehmen, die Computern schwerfallen, von Menschen aber sehr schnell erledigt werden können, zum Beispiel einen bestimmten Gegenstand auf einem Bild markieren. Die Erledigung der Aufgaben dauert teilweise nur Sekunden und wird mit wenigen Cent bezahlt. Dabei treten Menschen weltweit miteinander auf der Plattform in Konkurrenz.

"Wenn es eine Auflösung von Ort, Raum und Zeit gibt, wenn Arbeiten über Internetplattformen weltweit vergeben werden können, dann brauchen wir mindestens europäische Spielregeln, um Fehlentwicklungen zu begrenzen", sagte Hoffmann. Die EU-Kommission arbeite an Vorschlägen, diese müssten schnell umgesetzt werden.