VW-Vorstandschef Matthias Müller soll durch Markenchef Herbert Diess ersetzt werden. Das berichten mehrere Medien. Zuvor hatte der VW-Konzern mitgeteilt, dass er seine Führungsspitze umbauen wolle. Dies könne auch zu personellen Veränderungen im Vorstand und bei den Ressortzuständigkeiten führen, hieß es aus Wolfsburg. "Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören."

Welche Schritte im Einzelnen geplant sind und was dies konkret für die Zukunft von Konzernchef Matthias Müller bedeuten würde, blieb unklar. Müller habe seine "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken", hieß es. An diesem Freitag soll der Aufsichtsrat des weltgrößten Autoherstellers zusammenkommen. Dabei dürfte es auch um Umbaupläne wie eine mögliche Abspaltung des Lkw-Geschäfts gehen.

Bei Volkswagen ist der interne Umbau seit langem ein Thema, der riesige Konzern kämpft mit komplexen Strukturen und will den einzelnen Marken und Regionen mehr Verantwortung geben. Außerdem erfordern die Elektromobilität und die Vernetzung viele Veränderungen, der Konzern investiert hier bereits Milliarden.

Müller war nach dem Dieselskandal gekommen

Zeitgleich mit Volkswagen ging die Muttergesellschaft Porsche SE an die Öffentlichkeit und teilte mit, dass Veränderungen im VW-Vorstand auch zu Änderungen im Vorstand bei der Porsche SE führen könnten. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE hält gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Die Vorzugsaktien von Volkswagen stiegen am frühen Nachmittag auf ein Tageshoch. Zuletzt lagen sie knapp drei Prozent im Plus.

Müller ist 64 Jahre alt, sein Vertrag endet regulär 2020. Er war im Herbst 2015 an die Spitze von Volkswagen gekommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA zurückgetreten war.

Müller trieb seither die Aufklärung des Dieselbetrugs voran, der den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet hat. Schon bei seinem Amtsantritt ließ er erkennen, dass er sich nur schwer von seinem liebgewordenen Amt als Porsche-Chef trennen konnte, um nach Wolfsburg zu wechseln. Als Konzernchef begann Müller dann mit dem Umbau des Unternehmens, das der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piech zu einem Imperium mit zentraler Führung aufgebaut hatte. Die einzelnen Regionen erhielten durch Müller mehr Mitsprache in der Modellpolitik, die Marken bekamen mehr Eigenständigkeit.

Der versprochene "Kulturwandel" kam jedoch nicht schnell genug voran. Hinzu kamen immer wieder Skandale. Müller musste laufend Schadensbegrenzung betreiben. Zuletzt versetzten die fragwürdigen Abgastests mit Affen den Konzern in Aufruhr. Immer wieder stand auch die Staatsanwaltschaft wegen ihrer Ermittlungen im Abgaskandals vor der Tür.

Müller hat schon vor längerem angekündigt, Randbereiche zu überprüfen. Dass der Umbau nicht so rasch vorankommt, wie viele erwartet haben, liegt auch daran, dass die Eignerfamilien Porsche und Piech bremsten.