Dieselskandal - Ex-VW-Chef Winterkorn in den USA angeklagt Die US-Justiz wirft dem ehemaligen Konzernchef von Volkswagen Verschwörung zur Täuschung der Behörden vor. Ein Gericht in Detroit legte die Anklageschrift gegen Martin Winterkorn vor. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die US-amerikanische Justiz hat nach der Anklage gegen Martin Winterkorn nun auch Haftbefehl gegen den früheren VW-Chef erlassen. Dies bestätigte ein Sprecher des zuständigen Gerichts in Detroit. Zuvor hatte es die Klageschrift gegen den früheren Topmanager veröffentlicht, in der dem inzwischen 70-Jährigen Mittäterschaft im Diesel-Abgasskandal vorgeworfen wird. Die Vorwürfe gegen Winterkorn lauten Betrug sowie Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden.

Tatsächlich ermittelten Experten im Auftrag der US-Behörden bereits seit Mitte 2014, wie es sein konnte, dass Dieselautos von VW auf der Straße erheblich mehr Stickoxide in die Luft bliesen als im Labor gemessen. VW redete sich in Gesprächen mit den US-Behörden mehrfach heraus und sprach von einem Softwarefehler. Erst als die Amerikaner dem deutschen Autohersteller mit dem Entzug von Zulassungen drohten, lenkte dieser am 3. September 2015 ein und räumte die Manipulationen gegenüber den Behörden ein.

Eine der zentralen Fragen lautet: Wann wusste der damalige Konzernchef Winterkorn von der Betrugssoftware? Nicht nur die ermittelnden Staatsanwälte gehen davon aus, dass der damalige VW-Boss schon viel früher davon wusste und es verschwieg. Am 23. September 2015 trat Winterkorn zurück und gab bekannt, erst wenige Tage vor Bekanntwerden der Manipulationen von der Existenz der Software erfahren zu haben. Damals sprach er von einem "Fehler einiger weniger".

"Winterkorn wusste seit Juli 2015 Bescheid"

Nun wird er allerdings von einem hochrangigen VW-Manager belastet. Wie die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR berichten, sagte der namentlich nicht genannte Jurist bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft Braunschweig aus, er habe am 27. Juli 2015 mit Winterkorn in dessen Büro in der Wolfsburger Konzernzentrale über die betrügerische Software gesprochen, die in Dieselfahrzeugen von VW für den US-Markt verbaut sei. Diese Software senkte nur auf dem Prüfstand die Menge der abgegebenen Schadstoffe, nicht aber im normalen Fahrbetrieb.

Laut den Berichten will der Jurist Winterkorn den eindringlichen Rat gegeben haben, selbst die Initiative zur Aufklärung der Sache zu ergreifen, statt weiter zu schweigen und es darauf anzulegen, von den US-Behörden überführt zu werden. Irgendwann würden die Amerikaner selbst dahinterkommen, soll der Jurist Winterkorn gewarnt haben.

Winterkorns Anwalt Felix Dörr sagte der Süddeutschen Zeitung, er könne zu der Aussage des VW-Juristen nichts sagen, da ihm das Protokoll der Vernehmung nicht vorliege. Zur Deutschen Presse-Agentur sagte ein weiterer Anwalt, die US-Klageschrift werde man prüfen und sich "zu gegebener Zeit äußern". Aus der Wolfsburger VW-Zentrale hieß es, man werde mit den Behörden kooperieren.

Keine Auslieferung an die USA

Ein Verfahren vor einem US-Gericht muss Winterkorn so schnell nicht fürchten. Solange er in Deutschland bleibt, wird er nach Angaben des Bundesjustizministeriums nicht an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Allerdings ist ein Gerichtsverfahren gegen Winterkorn in Deutschland möglich: Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor und zählt den einstigen Vorstandsvorsitzenden nach eigenen Angaben zu einem Kreis von 37 Verdächtigen. Zu ihnen zählt laut Süddeutscher Zeitung auch der zitierte VW-Jurist.