Schon am Eingang ist die Stimmung gereizt. Vor der Sicherheitskontrolle im Foyer der Messehalle will ein Herr im Anzug nicht seine Einladung für die Aktionärsversammlung vorzeigen. Von Schikane spricht er, er habe langsam genug von dieser Bank. "Wir haben hier eine Menge Geld verloren", schimpft er noch, bis von rechts und links Sicherheitsleute anrücken und er schließlich doch seine Karte hervorzückt. Damit ist der Ton gesetzt für diesen Vormittag in Frankfurt, an dem die Führung der Deutschen Bank wieder einmal einen Neuanfang präsentieren will, sich aber weiterhin mit alten Problemen herumschlagen muss.

Den Auftakt macht der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Paul Achleitner, auch nur, um die Turbulenzen der vergangenen Wochen aufzuzählen. Schließlich wurde Anfang April die Spitze des Vorstands wieder neu sortiert, zum dritten Mal in sechs Jahren: Der Brite John Cryan ging, dafür rückte der langjährige Deutschbanker Christian Sewing auf den Chefposten vor. Kurz vor Beginn der Hauptversammlung nun an diesem Donnerstag bestätigte die Bank, dass sie ans Eingemachte gehen will. Bis Ende des nächsten Jahres plant das Unternehmen, mehr als 7.000 Stellen zu streichen, und besonders betroffen ist gerade jener Teil des Bankings, der früher überaus profitabel war und als besonders glamourös galt.

Die Laune der Aktionäre der Deutschen Bank aber haben diese Veränderungen nicht wirklich verbessert, schließlich fiel auch mit der Neubesetzung des Vorstandsjobs der Börsenwert des Unternehmens weiter und dümpelt nun bei unter elf Euro herum. Damit ist die Aktie seit 2010 dauerhaft auf etwa ein Viertel ihres damaligen Wertes zurückgefallen. Die besseren Zeiten liegen also lange zurück, mit der Finanzkrise und ihren Langzeitfolgen mit Rechtsstreitigkeiten und hohen Vergleichszahlungen hat sich die Deutsche Bank zu lange beschäftigen müssen, ohne sich auf ihre Zukunft einzustellen.

Üppige Boni für das Management

Jetzt aber soll es so weit sein. Der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing tritt ans Rednerpult. Er gibt sich alle Mühe, seinem Publikum im Saal eines zu signalisieren: Entschlossenheit. "Lassen Sie es mich ganz klar sagen", wiederholt er immer wieder, klammert sich dabei ans Pult und zieht die Augenbrauen zusammen. "Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können", sagt Sewing und leitet so seinen Plan für den Umbau der Bank ein. Man habe sich vor allem das Investmentbanking angesehen und seine Schlüsse gezogen. Das Ergebnis: "Insgesamt fallen im Aktiengeschäft rund 25 Prozent der Stellen weg." Vor allem das sogenannte Zinsgeschäft in den USA, also auch der Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, soll reduziert werden.

Dieser Schritt war aus Sicht der Aktionäre lange überfällig, schließlich liefert ausgerechnet das Investmentbanking zu schmale Erträge, bindet aber zu viel Kapital. Die Einnahmen der Bank in dieser Sparte sind seit der Finanzkrise um gute zwei Milliarden Euro gesunken. Das liegt zum Teil an der nach der Finanzkrise viel strengeren Regulierung des Geschäfts. Relevante Konkurrenten der Deutschen Bank haben daher ihre Aktivitäten hier eingeschränkt. In Frankfurt aber hoffte man zu lange, dass die Einnahmen der Wertpapierhändler wieder steigen würden.

Umso empörender finden die Aktionäre an diesem Vormittag im Festsaal der Messe, dass trotz der geringen Erträge, trotz des miserablen Aktienkurses, eines doch üppig ausfällt: "Zwei Milliarden Euro an Boni sind einfach zu viel!", sagt Ingo Speich von Union Investment und bekommt Applaus dafür. Dass sich die Kleinaktionäre beschweren, gehört zum Ritual, dass eine derartige Kritik vom Portfoliomanager einer Fondsgesellschaft kommt, nicht. Mit den Milliarden sollte eigentlich ein Exodus der Investmentbanker verhindert werden. Jetzt allerdings müssen ohnehin viele von ihnen gehen.