Nach der US-Anklage gegen den früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer Strafanzeige gegen den Ex-Manager gestellt. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Krischer wirft demnach Winterkorn vor, den Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags belogen zu haben. Dabei geht es um die immer noch ungeklärte Frage, ab wann Winterkorn über die Abgasmanipulation in Millionen von Autos des Konzerns Bescheid wusste.

Im Januar 2017 war der einstige VW-Vorstandsvorsitzende im Untersuchungsausschuss als Zeuge zu dem Abgasskandal befragt worden. Auf die Frage, wann er zum ersten Mal von den unzulässigen Abschalteinrichtungen erfahren habe, antwortete der Manager: "Sicher nicht vor September 2015". VW hatte Anfang September 2015 den US-Umweltbehörden gestanden, in Dieselautos eine verbotene Software eingesetzt zu haben. Sie verringerte im Labor den Abgasausstoß, so dass die Wagen die Grenzwerte auf dem Rollenprüfstand einhielten – nicht aber auf der Straße.

Laut den Ermittlungen in den USA könnte Winterkorn aber schon im Mai 2014 von den Manipulationen gewusst haben, spätestens aber Ende Juli 2015 soll er demnach detailliert darüber informiert worden sein. Die US-Justizbehörden haben Winterkorn daraufhin angeklagt und Haftbefehl gegen ihn erlassen.

"Wenn die Vorwürfe der US-Staatsanwaltschaft zutreffen, dann dürfte Herr Winterkorn auch im Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht die Wahrheit gesagt haben", sagte Krischer. Er ist Obmann der Grünen im Untersuchungsausschuss. Er habe die Anzeige nach eigenen Angaben am Mittwoch bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingereicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Eine Falschaussage wäre eine Straftat, die mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden könnte.

Ermittlungen zu Marktmanipulation womöglich noch 2018 beendet

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen möglicher Marktmanipulation gegen Winterkorn sowie den neuen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Dabei geht es um die Frage, ob die VW-Aktionäre zu spät über den Dieselskandal informiert wurden. Das wäre ein Verstoß gegen Aktienrecht. Die drei bestreiten den Vorwurf.

Wie Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe dem Spiegel sagte, ist ein Abschluss der Ermittlungen im Verfahren wegen Marktmanipulation "noch in diesem Jahr denkbar". Gegen Winterkorn ermittelt die Staatsanwaltschaft zusätzlich wegen Betrugs. Auch in den Ermittlungen zu den Softwaremanipulationen sei der Abschluss bis Jahresende möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, wurde Ziehe zitiert.

Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit rund elf Millionen Dieselautos unterschiedlicher Marken des Konzerns die illegale Software eingebaut zu haben. Kurz danach trat Winterkorn als VW-Chef zurück. Wegen der späten Gewinnwarnung fordern VW-Aktionäre in Deutschland rund zehn Milliarden Euro Schadenersatz, Verfahren laufen vor Zivilgerichten in Braunschweig und Stuttgart. Der Konzern wiederum prüft, ob er Winterkorn für die finanziellen Schäden in Regress nimmt.