Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und eine Gruppe um Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka haben ihren monatelangen Streit um Rabatte und Einkaufskonditionen beigelegt. Man habe eine "ausgeglichene Vereinbarung" gefunden, sagte ein Nestlé-Sprecher, ohne Details zu nennen. Die Kunden würden die Produkte des Schweizer Konzerns "sehr schnell" wieder in den Regalen der Märkte finden, die zur Einkaufsgenossenschaft AgeCore gehören.  

Auch Edeka bestätigte die Einigung. Zuvor hatte die Lebensmittel Zeitung berichtet, dass über Details der Einigung Stillschweigen vereinbart worden sei.

Edeka hatte sich mit europäischen Partnern wie Intermarché, Coop oder Colruyt verbündet, um Nestlé zu Zugeständnissen bei Preisen und Konditionen zu zwingen und so seine Kosten im Einkauf zu senken. Zusammen wickeln die Mitglieder der Einkaufsallianz nach früheren Angaben etwa zwei Milliarden Euro Umsatz mit Nestlé ab.

An der Allianz hatten sich laut der Zeitung europäische Handelsunternehmen mit einem jährlichen Bruttoumsatz von 140 Milliarden Euro beteiligt. Edeka hatte in der Auseinandersetzung Schritt für Schritt Nestlé-Produkte aus dem Verkauf genommen. Zu den bekanntesten Nestlé-Marken gehören Nescafé, Maggi, Thomy, Wagner und Vittel. Die etwa 200 von dem Boykott betroffenen Nestlé-Produkte könnten ab sofort wieder nachbestellt werden, hieß es nun.

Enormer Preisdruck

Im Rahmen der regelmäßigen Preisverhandlungen zwischen Händlern und Herstellern sind vorübergehende Auslistungen von Produkten nichts Ungewöhnliches. Auch die Hersteller stoppen mitunter ihre Lieferungen. So hatten Kunden der Supermarktkette Real im Sommer 2015 zeitweise vergeblich nach vielen Produkten gesucht, darunter solchen von Dr. Oetker, Nestlé oder Müllermilch. 

Der Düsseldorfer Wettbewerbsfachmann Christian Wey hatte im Gespräch mit ZEIT ONLINE den enormen Preisdruck als einen Grund für den Streit mit den Herstellern genannt. "Die Gewinnmargen sind nicht besonders üppig, gerade durch den intensiven Wettbewerb mit den Discountern", sagte Wey. Nestlé sei zwar ein klassischer Markenanbieter. "Aber gerade durch die Eigenmarken der Discounter und der anderen Handelsketten geraten auch solche Anbieter stärker in Bedrängnis."