In der Abgasaffäre bei Audi werden nun auch Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres, namentlich nicht genanntes Vorstandsmitglied der Volkswagen-Tochter als Beschuldigte geführt. Stadler werde seit dem 30. Mai als Beschuldigter geführt, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Seine Wohnung wurde am Montag durchsucht. Audi teilte mit: "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft." Volkswagen lehnte wegen der laufenden Ermittlungen eine Stellungnahme ab. Es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung, sagte ein Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft legt Stadler und dem weiteren Beschuldigten Betrug und mittelbare Falschbeurkundung zur Last. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat der Autobauer ab 2009 mindestens 210.000 Diesel-Fahrzeuge mit manipulierter Software zur Abgassteuerung auf den europäischen und amerikanischen Markt gebracht.

Die Staatsanwaltschaften in München und Braunschweig ermitteln seit zweieinhalb Jahren in der Dieselaffäre gegen zahlreiche Beschuldigte bei Volkswagen und Audi, das zum Volkswagen-Konzern gehört. Anfang Februar hatten Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt und Büros im Werk Neckarsulm durchsucht. Wenig später durchsuchten sie die Privatwohnungen und in einem Fall auch den Arbeitsplatz dreier weiterer Beschuldigter. Bei zwei von ihnen handelt es sich nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft um ehemalige Vorstandsmitglieder. Im September nahmen Ermittler den ehemaligen Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Einer seiner früheren Mitarbeiter war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Am 15. März, während der Jahrespressekonferenz, hatte die Staatsanwaltschaft zudem die Konzernzentrale durchsucht. Damals ging es um 80.000 in den USA verkaufte Autos. Nach Rückrufen des Kraftfahrt-Bundesamts für 127.000 in Europa verkaufte Autos mit manipulierter Software waren die Ermittlungen erweitert worden.

Stadler selbst hatte die Manipulationsvorwürfe stets bestritten. Anfang Mai räumte er jedoch schwere Fehler ein. "Der Arbeitsfehler in einer unserer Fachabteilungen ist gravierend. Es ist aber keine neue Manipulationssoftware", sagte Stadler auf der Hauptversammlung in Ingolstadt. Es sei versäumt worden, einen Software-Baustein für die Motorsteuerung bei jetzt auslaufenden A6- und A7-Modellen zu entfernen. Audi habe das Kraftfahrtbundesamt informiert und die Auslieferung der Modelle gestoppt. Das Software-Update für die betroffenen 60.000 Autos sei fertig, das weitere Vorgehen hänge von der demnächst stattfindenden Anhörung des KBA ab. 

Die Zahl der Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren hat sich laut Staatsanwaltschaft auf 20 erhöht.