Die Deutsche Bahn will bei ihren angehenden Auszubildenden auf das Motivationsschreiben verzichten. Stattdessen genügt es, wenn Bewerberinnen und Bewerber für das kommende Jahr nur noch Lebenslauf und Zeugnisse über eine Onlineplattform einreichen, teilte das Unternehmen mit. In den kommenden zehn Jahren werden bei der Deutschen Bahn Tausende Mitarbeiter in Rente gehen. Deshalb will der Konzern in diesem Jahr insgesamt rund 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, darunter 3.600 Auszubildende.

"Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig", sagt Personalerin Carola Hennemann, die die Personalgewinnung in Baden-Württemberg leitet, und bundesweit für die Einstellung von Ingenieuren zuständig ist. "Auch andere sind froh, wenn sie nicht so viel schreiben müssen. Wir prüfen die Motivation der Bewerber sowieso noch mal in einem Gespräch."

Die verkürzte Bewerbung will das Unternehmen auf weitere Berufsgruppen ausweiten, sollte man bei den Auszubildenden gute Erfahrungen machen, sagte ein Bahnsprecher. Besonders Ingenieure und IT-Experten, Lokführer und Fahrdienstleiterinnen sind bei der Bahn und ihren Konkurrenten gefragt, denn auch bei anderen Unternehmen stehen zahlreiche Pensionierungen an. 

Bahn lockt mit Bonussystem

Besonders in Regionen, in denen viele Menschen beschäftigt sind, ist die Suche laut Hennemann schwierig, etwa in Bayern und Baden-Württemberg. "Für die S-Bahn in Stuttgart haben wir auch schon Lokführer aus Kroatien eingestellt, die Deutsch sprechen."

Für die interne Suche nutzt die Bahn seit Längerem ein Bonussystem: 1.500 Euro erhält ein Mitarbeiter, wenn er einen neuen Kollegen anwirbt. Auch sucht die Bahn schon heute verstärkt im Ausland nach neuen Mitarbeitern, beispielsweise in Spanien oder Griechenland. Laut Hennemann werden auch Quereinsteiger geschult. "Da hat man auch Ü-50 noch die Chance, einen neuen Weg einzuschlagen."