Der bisherige Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot soll bei Audi vorläufig den Chefposten vom verhafteten Rupert Stadler übernehmen. Das berichteten mehrere Medien, unter ihnen das Handelsblatt und die Nachrichtenagentur dpa. Der Audi-Aufsichtsrat müsse der Personalie noch zustimmen. 

Der bisherige Audi-Chef Stadler ist am Morgen in Untersuchungshaft genommen worden. Als Grund nannte die Staatsanwaltschaft München Verdunkelungsgefahr. Sie legt ihm und einem weiteren Mitglied des Vorstands der VW-Tochter "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last". Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht. Vergangenen Woche war erst herausgekommen, dass die Staatsanwaltschaft München auch persönlich gegen Rupert Stadler ermittelt.

"Mär der Autoindustrie ist endgültig in sich zusammengefallen"

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sieht die Festnahme auch als Folge von Versäumnissen im VW-Konzern. "Heute ist die Mär der Autoindustrie endgültig in sich zusammengefallen, beim Abgasskandal handle es sich um die Verfehlungen einzelner Ingenieure", sagte er. "Immer klarer wird: Das Tricksen und Betrügen ist in den Konzernen von ganz oben mindestens toleriert, wenn nicht sogar angeordnet worden. In fast drei Jahren seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals haben es weder der VW-Konzern noch die Branche insgesamt geschafft, einen klaren Schnitt zu ziehen."

Zudem zeige die Festnahme, wie wenig der Skandal und seine Folgen von VW und den anderen Autobauern offensichtlich ernst genommen worden sei. "Es ist gut, dass jetzt wenigstens Staatsanwälte versuchen, den größten Industrieskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte strafrechtlich aufzuarbeiten, wo die Bundesregierung kläglich versagt hat."

Der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic sagte, die Staatsanwaltschaft München habe die Aufgabe, die vorliegenden Vorwürfe eines Betruges und einer mittelbaren Falschbeurkundung ohne Verzögerung aufzuklären. "Die nun erfolgte Festnahme von Audi-Chef Stadler ist keine Bestätigung des Betrugsvorwurfs, wenngleich sie einem weiteren Eskalationsschritt in der Diesel-Affäre des VW-Konzerns gleicht. Grundsätzlich müssen sich aber nicht nur normale Angestellte, sondern vor allem die Topmanager der Konzerne einem fairen, rechtsstaatlichen Verfahren stellen."