Der Chef des Thyssenkrupp-Konzerns, Heinrich Hiesinger, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der 58-Jährige habe Präsidium und Aufsichtsrat um Gespräche gebeten, "die zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands der Thyssenkrupp AG führen sollen", teilte der Konzern mit. Der Aufsichtsrat werde am Freitag über das Rücktrittsgesuch entscheiden.

Hiesinger erklärte, er "gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen".

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner dankte Hiesinger und sagte, der Vorstand unter Leitung Hiesingers habe Thyssenkrupp aus einer existenzbedrohenden Krise befreit und das Unternehmen in Umsetzung der mit dem Aufsichtsrat vereinbarten Strategie zukunftsfähig gemacht: "Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben."

Hiesinger steht mit der laufenden Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata unter Druck. Ziel sei gewesen, das Überangebot im Stahlmarkt zu reduzieren, eine starke Nummer im europäischen Stahlmarkt zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern, sagte Hiesinger im ZEIT-Interview. Gemeinsam sind Thyssenkrupp und Tata nun der zweitgrößte Stahlkonzern Europas, die Fusion ist europaweit die größte in der Branche seit der Übernahme von Arcelor durch Mittal im Jahr 2007.

Die Unternehmen hatten vergangene Woche einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, am Donnerstag wurde die Belegschaft über die Einzelheiten informiert. Unter anderem sollen 4.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Für die Beschäftigten soll es eine langfristige Arbeitsplatz- und Standortgarantie geben. Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital fordern einen schnelleren Umbau des Konzerns.

Hiesinger wechselte 2010 von Siemens in den Vorstand von Thyssenkrupp, zunächst als stellvertretender Vorsitzender, ab 2011 als Vorstandsvorsitzender. Dort sprach er offen über Schwierigkeiten und machte sich für einen Kulturwandel in dem von Hierarchien geprägten Konzern stark. Der Aktienwert des Unternehmens ist seit Hiesingers Antritt deutlich gesunken.