Der Industriedienstleister Bilfinger verlangt von zwölf ehemaligen Vorständen einen dreistelligen Millionenbetrag als Schadensersatz. Das Unternehmen wirft ihnen vor, in ihrer Amtszeit zu wenig gegen Korruption getan und keine ausreichenden Antikorruptionsregeln aufgestellt zu haben. Betroffen ist unter anderem der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der das Unternehmen von 2011 bis 2014 leitete. Koch wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Zwar sei das Thema Korruption während ihrer Amtszeit noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gewesen wie heute, sagte Ex-FBI-Direktor Louis Freeh, der das Unternehmen berät, zu den Zahlungen. "Doch schon zu dieser Zeit hat es einen Verhaltenskodex gegeben, nach dem die Zahlung von Schmiergeldern an Regierungsmitglieder verboten war." Zudem sei die Führung eines Konzerns auch ohne explizite Standards zu "integrem Geschäftsgebaren" verpflichtet.

Bilfinger muss funktionierendes Compliance-System aufbauen

Im Jahr 2003 leitete das US-Justizministerium wegen einer Schmiergeldaffäre in Nigeria ein Verfahren gegen Bilfinger und andere Unternehmen ein. 2013 zahlte das Unternehmen in den USA dann 32 Millionen Dollar und versprach, ein funktionierendes Compliance-System gegen Korruption aufzubauen. Dieses wird von einem Rechtsanwalt und Antikorruptionsexperten überprüft. Im Gegenzug wurde die Strafverfolgung gegen Bilfinger eingestellt. Würde das Mannheimer Unternehmen keine Compliance-Abteilung aufbauen, wäre sein US-Geschäft bedroht.

In die jetzt von den ehemaligen Managern geforderte Summe fließen Kosten ein, die das Unternehmen zusätzlich zu bereits vorhandenen, aber ungenügenden Compliance-Systemen zahlen musste. Bisher hat der Konflikt um angebliche Pflichtverletzungen Bilfingers in Afrika und Asien nicht die Gerichte erreicht. Bilfinger und die ehemaligen Vorstände verhandeln laut Freeh derzeit noch. "Ich hoffe auf eine außergerichtliche Lösung", sagte der Berater.