Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat Medienberichten zufolge erneut gegen den ehemaligen Topmanager Thomas Middelhoff Ermittlungen aufgenommen. Das berichten die Süddeutsche Zeitung und der Westdeutsche Rundfunk unter Berufung auf die Behörde.

Der frühere Arcandor-Chef Middelhoff war im November 2014 vom Landgericht Essen unter anderem wegen Veruntreuung von Konzernvermögen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er kam im November 2017 auf freien Fuß. Am 31. März 2015 stellte er laut dem Bericht Antrag auf ein Privatinsolvenzverfahren.

Unstrittig sei, dass in den Jahren vor der Privatinsolvenz immer mehr vom Middelhoff-Vermögen in Gesellschaften floss, die sein Anwalt Fromm kontrolliere, schrieb die Süddeutsche. Als Gegenleistung hätten diese Gesellschaften Middelhoff regelmäßig Geld überwiesen, damit er sein Privatleben sowie seine Gerichts- und Anwaltskosten finanzieren konnte.

Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten Fuest habe dessen Rechtsanwalt Hartmut Fromm und seine Berliner Kanzlei beim Landgericht Bielefeld auf Zahlung von 5,1 Millionen Euro verklagt, berichtete die SZ. Der Inhalt dieser Klage habe auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgelöst.

Die Klage fuße demnach auf einem Gutachten der Wirtschaftskanzlei Taylor-Wessing, berichtete. Sie habe im Auftrag des Insolvenzverwalters Middelhoffs Vermögenstransfers in den Jahren 2011 bis 2015 durchleuchtet. Die Gutachter seien zu dem Ergebnis gekommen, der Ex-Manager habe sein Privatvermögen systematisch auf Dritte übertragen, und das unter tatkräftiger Mithilfe von Fromm. Womöglich habe sich Middelhoff dabei einer Bankrott-Straftat schuldig gemacht und sein Freund der Beihilfe dazu.

Middelhoff weiß nach eigenen Angaben nichts von neuem Verfahren

Dem WDR gegenüber sagte Middelhoff, ein neues Verfahren sei ihm nicht bekannt. Der Vorwurf des Bankrotts sei bereits abschließend durch die Staatsanwaltschaft Bochum geprüft und eingestellt worden, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld würden seines Erachtens zu demselben Ergebnis führen, berichtet der WDR. Der Sender zitiert Middelhoff mit den Worten: "Sollte ich trotz rechtlicher Beratung einen Beurteilungs- oder Ermessensfehler begangen haben – den ich wirklich nicht erkennen kann –, werde ich natürlich zu meiner Verantwortung stehen."