Der von den US-Behörden bei Volkswagen eingesetzte Aufpasser Larry Thompson mahnt in seinem ersten Jahresbericht eine höhere Transparenz bei VW an. Vereinzelt sei er mit der Zurückhaltung des Unternehmens bei der Übermittlung bestimmter Informationen nicht einverstanden, heißt es in dem veröffentlichten Bericht.

Das Unternehmen habe unter Berufung auf das Anwaltsgeheimnis und den Datenschutz Schwärzungen in Dokumenten vorgenommen, erläuterte Thompson. Als Independent Compliance Auditor (ICA) habe er seine Bedenken dazu geäußert. "Diese Thematik ist in der nächsten Berichtsperiode umgehend zu klären, damit der ICA seinen Auftrag effektiv erfüllen kann." Er erwarte, dass VW sämtliche Informationen, die er für notwendig erachte, zeitnah zur Verfügung stelle. Der Autohersteller habe Verbesserungen zugesagt.

Thompson hob aber zugleich hervor, dass VW seine Bedenken ernst nehme. "Es sind eine Reihe von positiven Prozessen angestoßen worden." Bis der Konzern alle Verpflichtungen gegenüber der US-Justiz hinsichtlich Integrität, Compliance und Kultur erfüllt habe, sei aber noch einiges zu tun. "Dort sind wir noch nicht angekommen." 

Zwei Verstöße festgestellt

Thompson soll drei Jahre lang überwachen, ob Volkswagen die versprochenen Reformen umsetzt, damit sich Verfehlungen wie im Dieselskandal nicht wiederholen können. Das war eine Folge des Vergleichs zwischen VW und dem US-Justizministerium aus dem Jahr 2017. Dafür hat der Wirtschaftsjurist ein Team von rund 60 Spezialisten zusammengestellt, denen VW auf Verlangen alle erforderlichen Unterlagen zugänglich machen muss. Thompson gilt als kompromisslos bei Vergehen von Unternehmen. Er war Vizejustizminister der USA Anfang der Nullerjahre, als die Betrugsskandale bei den US-Konzern Enron und WorldCom aufflogen. Thompson war unter anderem für die strafrechtliche Verfolgung von Enron verantwortlich.

Konkret stellte Thompson in seinem ersten Zwischenbericht zwei Verstöße gegen die Auflagen fest. Volkswagen selbst habe diese Verstöße gemeldet, sagte er. Wie Hiltrud Werner, VW-Vorstandsmitglied für Integrität und Recht, erläuterte, wurde eine Liste von fünf Compliance-Fragen im Zusammenhang mit der jährlichen Mitarbeiterbefragung "aus Versehen" nicht in die Leitfäden für Führungskräfte aufgenommen. Das wurde laut dem Zwischenbericht inzwischen korrigiert. Zudem sei übersehen worden, die kalifornische Umweltbehörde Carb vor Beginn von Emissionstests für das Modelljahr 2017 schriftlich über die Tests zu informieren, sagte Werner. Sie bezeichnete die von Thompson aufgezeigten Verstöße als weniger gravierend. Im Grunde seien dies Dinge, "die wir hätten umsetzen können, wenn wir achtsamer gewesen wären".

Bisher kaum personelle Konsequenzen gezogen

Die Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen des VW-Konzerns waren Mitte September 2015 in den USA aufgeflogen, weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. VW hat seither Strafen von mehr als 20 Milliarden Dollar in den USA gezahlt, in Deutschland ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften bei VW und den Töchtern Porsche und Audi (hier eine Zeitleiste des Skandals).

VW-Vorstand Werner räumte ein: "Wir haben noch ganz schön viel Arbeit vor uns." Die angestoßene Veränderung der Unternehmenskultur werde den Konzern noch viele Jahre beschäftigen und habe beim Vorstand "oberste Priorität". Auch Thompson sagte, es sei verfrüht, zu sagen, wie weit Volkswagen bei der Umsetzung seiner Verpflichtungen gekommen sei. "Wir sind eher am Anfang unserer Audit-Arbeit." Auf Fragen nach den Ursachen des Dieselskandals verwies er auf die laufenden Untersuchungen in den USA und in Deutschland. "Das ist nicht auf meiner Verantwortungsliste." Er sei kein Ermittler, sondern dafür zuständig, dass VW seine Verpflichtungen erfülle.

Thompson hatte allerdings bereits im Frühjahr bemängelt, dass Volkswagen nach dem Abgasbetrug zu wenig personelle Konsequenzen gezogen habe. Zwar hatte VW nach dem Auffliegen der Manipulationen eine Reihe von Mitarbeitern freigestellt, aber kaum arbeitsrechtliche Schritte vollzogen. Zu den Ausnahmen gehören der frühere Chef der Dieselmotorenentwicklung bei Audi, Ulrich Weiß, sowie Oliver Schmidt, der mehrere Jahre als VW-Manager für die USA zuständig war und Ende 2017 in Detroit zu einer siebenjährigen Haftstrafe sowie einer Geldstrafe von 400.000 Dollar verurteilt worden war. Weiß war nach Auffliegen des Skandals beurlaubt und im Februar 2017 fristlos entlassen worden. Audi und Weiß einigten sich in einem anschließenden Rechtsstreit außergerichtlich. Das Verfahren von Oliver Schmidt läuft noch: Ihm hatte VW nach der Verurteilung gekündigt, Schmidt wehrt sich gerichtlich dagegen. Im September soll das Verfahren am Arbeitsgericht Braunschweig weitergehen.