Der Gründer und Chef von Tesla, Elon Musk, wird von zwei Tesla-Investoren verklagt. Zwei Anleger reichten am Freitag unabhängig voneinander vor einem US-Gericht in San Francisco Klage gegen ihn ein. Grund für die Klage ist ein Tweet von Musk vom vergangenen Dienstag, in dem er schrieb, er denke darüber nach, Tesla zu kaufen, indem er alle verfügbaren Aktien für 420 Dollar pro Stück kaufe. An dem Tag kostete die Aktie 344 Dollar. Der Kurs stieg nach dieser Ankündigung, die Aktie war am Ende des Tages 19 Prozent mehr wert als vorher.

Investoren setzten auf Kursverluste

Die Investoren klagen, weil sie darauf gesetzt hatten, dass der Kurs der Aktie fallen würde. Das ist mit einem Leerverkauf möglich: Eine Investorin leiht sich die Besitzrechte an einer Aktie und legt fest, wann sie sie zurückgeben wird. Anschließend verkauft sie die Aktie am Markt für den aktuellen Preis. Bis zur Rückgabefrist muss die Investorin die Aktie am Markt zurückkaufen – ist der Preis der Aktie in der Zwischenzeit gefallen, macht sie Gewinn – die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Rückkaufpreis. Ist der Kurs der Aktie gestiegen, muss sie sie teurer zurückkaufen, als sie sie gekauft hat. Sie macht Verlust.

Einer der Investoren wirft Musk vor, mit einem "Atomangriff" die Leerverkäufer der Tesla-Aktien "völlig zu dezimieren". In der anderen Klage steht, Musk hätte versucht, den Kurs der Aktie künstlich in die Höhe zu treiben. Außerdem hätte sein Tweet gegen die Auflagen der US-Börsenaufsicht SEC verstoßen.

Die Börsenaufsicht prüft

Die SEC beschäftigt sich bereits mit der überraschenden Ankündigung von Musk. Die Behörde habe sich bei Tesla erkundigt, ob die Mitteilung, die den Kurs der Tesla-Aktie stark schwanken ließ, den Tatsachen entspreche und warum sie über Twitter verbreitet worden sei, schrieb das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Die Behörde wollte dazu auf Nachfrage nichts weiter sagen. Tesla veröffentlichte daraufhin eine offizielle, kurze Mitteilung zu den Überlegungen.

Normalerweise verbreiten börsennotierte Unternehmen Nachrichten dieser Dimension außerhalb der Handelszeiten als Pflichtmitteilungen auf ihren Websites und anderen offiziellen Kommunikationskanälen.

Eine Privatisierung würde bis zu 82 Milliarden Dollar kosten

Die Tesla-Aktie hat in den vergangenen Tagen wieder an Wert verloren und sich dem Wert vor der Ankündigung angenähert. Grund dafür sollen Zweifel von Investoren sein, dass Musk das notwendige Geld für eine Reprivatisierung aufbringen kann. Musk hatte geschrieben, die Finanzierung sei gesichert – dafür wären beim aktuellen Kurs ungefähr 70 Milliarden Euro nötig. Würde Musk tatsächlich 420 Dollar pro Aktie bezahlen, wären sogar 82 Milliarden Dollar fällig. Ein so teures Unternehmen wurde noch nie von der Börse genommen.

Die New York Times zitiert Finanzexperten, wonach dieses Szenario unwahrscheinlich ist. Nicht nur wegen der hohen Summen, sondern auch, weil Tesla nie Gewinn gemacht hat und stets viel neues Geld von Investoren benötigte. Daher sei es nicht realistisch, Geldgeber für einen solchen Rückkauf zu finden.