Seit Tesla-Chef Elon Musk am vergangenen Dienstag die Öffentlichkeit mit der getwitterten Überlegung überraschte, Tesla von der Börse zu nehmen, treibt Investoren und Marktbeobachter eine Frage um: Woher sollte das Geld für den Rückkauf kommen? 420 US-Dollar will Musk je Aktie zahlen. Dann wäre der Elektroautobauer rund 72 Milliarden Dollar wert – und der Unternehmer fügte gleich hinzu: "Finanzierung gesichert."

Wie er das genau meint, dazu schwieg der 47-Jährige seit Tagen. Jetzt hat er sich in einem Blogeintrag auf der Tesla-Homepage erklärt. Eine gewichtige Rolle soll demnach der saudi-arabische Staatsfonds PIF spielen.

Die Saudis hätten ihn seit Anfang 2017 mehrfach angesprochen, bei Tesla groß einsteigen zu wollen und in diesem Zuge das Unternehmen von der Börse zu nehmen – Fachleute nennen das Delisting. "Offensichtlich verfügt der saudische Staatsfonds über mehr als genug Kapital, das für die Durchführung der Transaktion notwendig wäre", so Musk. Für die Saudis wäre Tesla eine interessante Ergänzung, schließlich wollen sie mittelfristig aus dem Ölgeschäft aussteigen. Das jüngste Gespräch zu dem Thema habe es am 31. Juli 2018 gegeben – kurz nachdem PIF knapp fünf Prozent der Tesla-Aktien am Markt aufgekauft hatte.

Während des Treffens Ende Juli habe der Geschäftsführer des Fonds deutlich seine Unterstützung für einen Börsenrückzug Teslas bekräftigt. "Ich verließ das Treffen am 31. Juli ohne Zweifel, dass ein Deal mit dem saudischen Staatsfonds geschlossen werden könnte und es nur noch darum gehe, den Prozess in Gang zu setzen", bloggt Musk. Darum habe er in dem Tweet am 7. August "Finanzierung gesichert" geschrieben. Seither habe er auch mit dem PIF-Manager, den er nicht namentlich nennt, weitere Gespräche geführt.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit

Den Tweet begründet der Milliardär damit, dass er es als falsch empfunden habe, seinen Delisting-Wunsch lediglich den größten Anteilseignern mitzuteilen. Er habe es als den richtigen und fairen Schritt angesehen, "meinen Plan öffentlich zu verkünden". Der Verwaltungsrat unterstützt demnach seine Pläne. Musk erhofft sich vom Delisting mehr Ruhe für das Unternehmen, weniger Einfluss von Anlegern und Transparenzpflichten.

Sein langer Blogeintrag ist bemerkenswert. Er dürfte vor allem unter dem zunehmenden öffentlichen Druck entstanden sein, die zahlreichen offenen Fragen zum dürren Tweet und dem hinterhergeschobenen Blogeintrag zu beantworten. US-Medien zufolge prüft sogar die US-Börsenaufsicht SEC inzwischen den Wahrheitsgehalt. Zwei Investoren haben zudem Klage gegen Musk eingereicht. 

Musk selbst hält gut 20 Prozent an dem Unternehmen. Er hatte bereits vorige Woche seine Hoffnung geäußert, dass Großinvestoren ihre Anteile auch bei einem Delisting behalten würden – Tesla solle weiterhin eine breite Eigentümerbasis haben. Darum ist nach wie vor unklar, wie groß die benötigte Summe für den Rückzug von der Börse überhaupt sein müsste. Laut Blogeintrag hofft Musk, dass im besten Fall zwei Drittel der Anteile bei den jetzigen Investoren verbleiben. Dann müsste nur ein Drittel rückgekauft werden. Darum seien auch Berichte über einen Kapitalbedarf von 70 Milliarden Dollar maßlos übertrieben.

Klar ist für Musk, dass sich Tesla für das Vorhaben nicht weiter verschulden soll. Schließlich schreibt der Autohersteller seit Jahren rote Zahlen und hat mittlerweile Schulden in Höhe von fast zehn Milliarden Dollar angesammelt. Medienberichten zufolge ist für diese Woche ein Treffen des Tesla-Verwaltungsrats mit Finanzberatern geplant, um mögliche Szenarien durchzusprechen.

Der Tesla-Chef muss allerdings einräumen, dass auch die Saudis noch einige Fragen hätten und noch genau die Finanzzahlen von Tesla überprüfen wollten. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er nicht konkreter werden, schreibt Musk, da er auch mit weiteren Investoren Gespräche führe. Ganz so sicher, wie Musk in seinem Tweet suggerierte, ist die finanzielle Grundlage für einen Börsenrückzug also noch nicht.