Investoren und Banken bringen sich für einen möglichen Börsenrückzug von Tesla in Stellung. Sie reagierten damit auf einen Tweet von Tesla-Chef Elon Musk vom Dienstag, in dem er darüber spekulierte, die Aktien seines Unternehmens von der Börse zu nehmen. Die Banken an der Wall Street spielten nun durch, wie die mögliche Transaktion ablaufen könnte, berichtete die New York Times.

Ein solcher Schritt würde viel Arbeit bedeuten für Banken, Berater und Anwälte – also auch viel Geld bringen. Führungskräfte von Banken wie Goldman Sachs und Citigroup diskutieren laut New York Times, wie ein Deal strukturiert werden könnte, den Hersteller von Elektroautos von den öffentlichen Märkten zu nehmen. Ein Geschäft dieser Größenordnung werde mit zehn bis 20 Milliarden Dollar bewertet.

Die SoftBank gehört nach Experteneinschätzung aktuell zur Liste möglicher Großinvestoren für eine Reprivatisierung von Tesla. Im Gespräch seien zudem der chinesische Internetkonzern Tencent, der Staatsfonds von Saudi-Arabien sowie Weggefährten von Musk aus dem Silicon Valley wie Peter Thiel und Scott Bannister. 

Börsenaufsicht prüft

Zudem beschäftigt sich die US-Börsenaufsicht mit der überraschenden Ankündigung von Musk. Die Behörde habe sich bei Tesla erkundigt, ob die Mitteilung, die den Kurs der Tesla-Aktie stark schwanken ließ, den Tatsachen entspreche und warum sie über Twitter verbreitet worden sei, schrieb das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Die Behörde wollte dazu auf Nachfrage nichts weiter sagen. Tesla ließ später eine offizielle, kurze Mitteilung zu den Überlegungen folgen.  

Normalerweise verbreiten börsennotierte Unternehmen Nachrichten dieser Dimension außerhalb der Handelszeiten als Pflichtmitteilungen auf ihren Websites und anderen offiziellen Kommunikationskanälen.

Rechtlich könnte der Vorfall brisant sein, denn Musks Tweet trieb den Aktienkurs stark in die Höhe und bewegte Milliarden an Börsenwert. Sollte es sich nur um ein Täuschungsmanöver des Tesla-Chefs gehandelt haben – das sich möglicherweise gegen Spekulanten gerichtet hat, die gegen die Aktie wetten –, könnte dies Klagen wegen Marktmanipulation nach sich ziehen. 

Wie realistisch ist eine Reprivatisierung?

Um Tesla zu privatisieren, müsste den Aktionären angeboten werden, ihre Anteile zurückzukaufen. Normalerweise geben Banken und andere Investoren Firmen das Geld, um die Anteile zu erwerben. Bei Musks Kursziel von 420 Dollar pro Aktie würde die Firma inklusive Schulden auf 82 Milliarden Dollar taxiert. So ein teures Unternehmen wurde noch nie von der Börse genommen. Entsprechend groß sind die Zweifel an Musks Äußerungen. 

Die New York Times zitiert Finanzexperten, wonach dieses Szenario unwahrscheinlich ist. Nicht nur wegen der hohen Summen, sondern auch, weil Tesla nie Gewinn gemacht hat und stets viel neues Geld von Investoren benötigte. Daher sei es nicht realistisch, Geldgeber für einen solchen Rückkauf zu finden.