Hunderte Beschäftigte von Zulieferunternehmen des Windkraftanlagenherstellers Enercon im niedersächsischen Aurich sollen in den kommenden Monaten ihre Stellen verlieren. Der Konzern wolle sich internationaler aufstellen, weil die Auftragslage für Windkraftanlagen in Deutschland stark rückgängig sei, berichtet der Norddeutsche Rundfunk. Windräder, die für andere Länder gebaut würden, müssten vor Ort zusammengesetzt werden, so ein Sprecher von Enercon. Die IG Metall forderte einen Sozialplan. Die nicht mehr benötigten Mitarbeiter müssten weiter qualifiziert werden. Dem Bericht zufolge fallen allein in Niedersachsen mehr als 700 und bundesweit 835 Stellen weg.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Windenergiebranche die große Koalition zu einer raschen Lösung ihres Streits über einen schnelleren Ausbau von Ökostrom aufgefordert. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen müssten schnell eingesetzt werden, um eine im Jahr 2019 drohende Ausbaulücke zu mildern, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Power Systems. "Was die Industrie nun benötigt, ist eine stringente Umsetzung in Ausschreibungsmengen und Ausbauzahlen."

Der Präsident des Bundesverbands WindEnergie, Hermann Albers, forderte ein "grundsätzliches Bekenntnis" der Politik zum Ziel, bis 2030 einen Anteil bei erneuerbaren Energien von 65 Prozent zu erreichen. Ende des ersten Halbjahres war es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gut ein Drittel (36,3 Prozent). Albers sagte, auf dem Weg zum Ziel bis 2030 sei ein "Einbruch" der gesamt installierten Kapazität nicht akzeptabel.

Streit über Sonderausschreibungen

Im ersten Halbjahr verlangsamte sich nach Branchenzahlen der Ausbau der Windenergie an Land, und zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf einen Bruttozubau von 1.626 Megawatt oder 497 Anlagen. Das war erwartet worden, weil der Bund in den vergangenen Jahren Ausbauziele und Fördersystem geändert hatte.

Union und SPD streiten seit Wochen über einen Ökostromausbau mit Sonderausschreibungen. Die Union argumentiert, dass der schnellere Ausbau von je vier Gigawatt Wind- und Solarstrom an eine ausreichende Netzkapazität gekoppelt sein müsse. Es nütze nichts, wenn Windanlagen gebaut würden, diese aber nicht ans Netz angeschlossen werden könnten. Außerdem wird in der Union auf den Widerstand in Teilen der Bevölkerung verwiesen. Der Ausbau der Windenergie soll eigentlich ein Beitrag dazu sein, Deutschland näher an das Klimaschutzziel 2020 zu bringen – das ohnehin als nicht mehr erreichbar gilt.