Ryanair - 42.000 Passagiere in Deutschland von Pilotenstreik betroffen Wegen des Pilotenstreiks hat der Billigflieger Ryanair europaweit etwa 400 Flüge gestrichen. Verbindungen in Deutschland sind besonders stark eingeschränkt. © Foto: Bernd Settnik/dpa

Der Pilotenstreik des irischen Billigfliegers Ryanair hat in der Nacht zu Freitag begonnen. Das bestätigte ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Die Fluggesellschaft hat wegen der angekündigten Streiks in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden etwa 400 ihrer 2.400 geplanten Europaflüge abgesagt. Allein in Deutschland wurden 250 Flüge gestrichen.

Vor allem am frühen Morgen wird dem Plan zufolge kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abheben. Im Laufe des Tages fliegen dann einige Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

In den Niederlanden hat das Unternehmen eine Lösung gefunden, damit alle Flüge trotz des Streiks planmäßig erfolgen können: Ryanair setzt auf den Strecken nun ausländische Piloten ein. Am Vorabend hatte ein niederländisches Gericht eine Klage des Billigfliegers gegen den Streik abgewiesen. Die Richter hatten aber nicht untersagt, mit ausländischen Piloten den Streik zu brechen.

Etwa 42.000 Passagiere in Deutschland betroffen

Europaweit sind etwa 55.000 Passagiere von den Flugstreichungen betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Dazu sind Fluggesellschaften gesetzlich verpflichtet. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab.

Der Ausstand begann um 3:01 Uhr und soll am Samstag um 2:59 Uhr enden. Die deutsche Vereinigung Cockpit schloss sich den bereits zuvor angekündigten Streiks ihrer Ryanair-Kollegen in Irland, Schweden und Belgien an. Die Pilotinnen und Piloten fordern mehr Festgehalt statt leistungsabhängiger Vergütung, Gehaltserhöhungen mit zunehmender Arbeitserfahrung und dass Ryanair sie nicht mehr unfreiwillig versetzt. Auch die Zahl der Flugstunden für Piloten soll Ryanair reduzieren. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die Vereinigung Cockpit nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

Die Gewerkschaft erhofft sich nach eigenen Angaben durch den Streik Verständnis für die Lage des Personals: "Ryanair verkauft Tickets ab 39 Euro und macht gleichzeitig einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro", sagte Gewerkschaftssprecher Janis Schmitt dem Bayerischen Rundfunk. "Da ist klar, dass die Zeche die Mitarbeiter zahlen." Die Piloten wollten gern ein "berechenbares Gehalt haben" und nicht das "unternehmerische Risiko von Ryanair tragen", sagte der VC-Sprecher. Derzeit bekommen die Piloten ein relativ geringes Grundgehalt. Der variable Rest orientiert sich an den tatsächlichen Flugstunden.

Ingolf Schumacher, der Verhandlungsführer für die Vereinigung Cockpit, sagte dem Sender ntv, die Gewerkschaft wolle "dem Unternehmen nicht schaden". Nötig sei aber ein "Umdenken in der Konzernzentrale in Dublin" beim Umgang mit den Beschäftigten. Die Fronten im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen bezeichnete er als "verhärtet".

Pilotengewerkschaft Cockpit - »Müssen mit langwierigem Arbeitskampf rechnen« Der Konflikt zwischen Ryanair und den Piloten und Pilotinnen kann der Vereinigung Cockpit zufolge Wochen und Monate dauern. Die Verantwortung dafür trage die Fluggesellschaft. © Foto: Silas Stein/dpa