Die taz wird möglicherweise bald nicht mehr als tägliche Printausgabe erscheinen. Das kündigte der Geschäftsführer der Zeitung, Karl-Heinz Ruch, in einem Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. "Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende", schrieb Ruch. "Der Journalismus lebt im Netz weiter." Über das Schreiben hatten zunächst der Mediendienst turi2 und die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Ruch rief die Mitarbeiter und Teilhaber der taz dazu auf, Ideen für den Übergang zu entwickeln. Man wolle "in Ruhe die notwendigen Veränderungen" des "grundlegenden Strukturwandels" erkunden, dabei aber keine Zeit verlieren.

Die Mitteilung von Ruch geht auf einen im März 2018 veröffentlichten internen Innovationsreport zurück, der zu dem Schluss kam, dass sich die Leserinnen und Leser in den kommenden Jahren überwiegend online über das Tagesgeschehen informieren werden. "Ausgeruhte Analysen" würden zunehmend für das Wochenende vorbehalten, hier gegebenenfalls auch weiterhin im Print, schrieb Ruch. Der digitale Wandel biete dabei eine Chance auf mehr Vielfalt im Journalismus.

Die taz wurde 1978 in West-Berlin als selbsterklärte linke Alternative zur bürgerlichen Presse gegründet und wird von einer Verlagsgenossenschaft gehalten. Geschäftsführer des Verlags ist seit der Gründung Karl-Heinz Ruch, der kommendes Jahr in Rente gehen wird. Die aktuelle Auflage der Tageszeitung liegt bei knapp 50.000 Exemplaren.