Ein Rücktritt ist es noch nicht. Ein Rückzug auf Raten schon. Chinas Super-Unternehmer Jack Ma hat am Montag bekannt gegeben, dass er auf den Tag genau in einem Jahr den Vorsitzposten des Alibaba-Imperiums abgeben werde. Ma feierte am Montag seinen 54. Geburtstag. Mit 55 sei Schluss, schrieb er seinen Mitarbeitern. 2020 wolle er dann auch auf seinen Aufsichtsratsposten verzichten. "Ich werde immer zu Alibaba gehören", versicherte Ma. Künftig wolle er sich aber mehr als Philanthrop betätigen und sich um Bildung kümmern.

Dabei dementierte am Wochenende ein Alibaba-Sprecher noch den Rückzug des Alibaba-Gründers. Die New York Times hatte vorab darüber berichtet. Als "faktisch falsch", bezeichnete der Sprecher den Bericht. Ma werde noch über einen "beträchtlichen Zeitraum" an der Spitze des Konzerns bleiben, hieß es in der South China Morning Post, der Hongkonger Zeitung, die Ma gehört. Er werde am Montag lediglich eine Nachfolgestrategie präsentieren. Nun heißt es in dem Brief an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Das Verantwortungsvollste für mich und das Unternehmen ist es, dass jüngere, talentiertere Leute die Führung übernehmen."

Mit seinem Rückzug und seinem angekündigten ehrenamtlichem Engagement will Jack Ma der Unternehmerzunft in China ein Zeichen setzen. In keinem Land gibt es so viele Superreiche wie in der Volksrepublik – die Spendenbereitschaft hält sich dennoch in Grenzen.

Die Angolaner sind großzügiger

Forbes hat ausgerechnet, dass die Chinesen 2016 nicht einmal 0,03 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung für wohltätige Zwecke ausgaben. Zum Vergleich: Die Deutschen spendeten im selben Jahr rund 1,7 Prozent, US-Amerikaner fast zwei Prozent. Selbst in Angola, Nepal oder Burundi spenden die Menschen relativ zu ihrem Einkommen mehr als die Chinesen. Wenn überhaupt, finanzieren chinesische Superreiche Privatunis oder gründen andere Bildungseinrichtungen, die wiederum den eigenen Firmen dienten. Wofür sich Ma im Bildungssegment konkret einsetzen will, hat er bislang nicht erklärt.

In den chinesischen sozialen Medien wird er dennoch bereits als Chinas Bill Gates gefeiert. Der Microsoft-Gründer hatte sich 2008 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und widmet sich seitdem mit seiner Frau Melinda über der von ihnen ins Leben gerufenen Stiftung wohltätigen Zwecken.

Und auch wenn der angekündigte Ausstieg Mas jetzt überraschend kam, sind seine philanthropischen Pläne doch nicht neu. Bereits 2010 hatte er in einem Interview davon gesprochen, mit seinem Geld diesbezüglich aktiv zu werden. Ma hatte wiederholt betont, dass er von Bill Gates, Warren Buffet und anderen US-Superreichen lernen könne, und dass er sich aufgrund seiner ehemaligen Tätigkeit als Lehrer im Bildungsbereich engagieren wolle. Im Sommer 2014 hatte er den Microsoft-Gründer eigens zu einem Charity-Dinner nach Peking eingeladen und dort explizit gesagt, er wolle von Bill Gates Wohltätigkeitsarbeit lernen.

Auf die Frage, ob sich Ma von Gates inspiriert fühle, antwortete der Alibaba-Chef am Freitag gegenüber Bloomberg: "Ich werde nie so viel Geld haben wie Bill". Aber eine Sache könne er besser: "Früher in Rente gehen."

Für Ma nachrücken wird Daniel Zhang. Der hatte schon seit mehreren Jahren das operative Geschäft geleitet. Ma ist dennoch all die Jahre das Gesicht des größten chinesischen Onlinekonzerns geblieben. Und das dürfte auch noch eine ganze Weile so sein. Schließlich hat der charismatische Selfmade-Mehrfachmilliardär mit den Handelsplattformen Taobao und Tmall das Konsumverhalten der Chinesen komplett auf den Kopf gestellt. Selbst in den abgelegensten Dörfern Chinas lässt sich heute binnen weniger Stunden so ziemlich jede Ware erstehen. Der Börsenwert von Alibaba liegt derzeit bei rund 420 Milliarden Dollar.