Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz hat die Führungskräfte des Konzerns in einem Brandbrief vor einer "schwierigen Situation" gewarnt. Diese werde nicht besser, sondern verschlechtere sich, heißt es laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters darin. Das operative Ergebnis liege auch per Juli "deutlich unter dem Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung". Das auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnisziel für 2018 sei in Gefahr.

Die dritte Gewinnwarnung innerhalb von wenigen Monaten könne jedoch nicht die Antwort auf die aktuelle Situation sein, schreibt Lutz. "Es würde unsere finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und good will, die wir bei Eigentümern und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen." Zuvor hatten das Handelsblatt und der Spiegel über das Schreiben berichtet und zitieren Lutz mit den Worten, die Pünktlichkeit sei "weiter abgerutscht" und liege im August "bei unter 76 Prozent". Dies sei schlechter als 2015, als die Bahn mit dem Projekt "Zukunft Bahn " gestartet sei.

Ein Bahn-Sprecher wollte sich am Sonntagabend nicht "nicht zu internen Schreiben" äußern. Bereits am Freitag hatte eine andere Sprecherin darauf hingewiesen, dass bereits zur Halbjahresbilanz die wirtschaftlichen Herausforderungen angesprochen wurden. "Es ist es ein normaler unternehmerischer Vorgang hier gegenzusteuern. Ausdrücklich klar ist aber auch, dass an Maßnahmen für Qualität und Kundenzufriedenheit nicht gespart wird."

Mehrere Konzernmanager hatten am Freitag Reuters gesagt, dass der Staatskonzern mit einem Ausgabenstopp ein weiteres Abrutschen verhindern wolle. Demnach dürfen Bestellungen ab einer bestimmten Summe nur noch mit Sondergenehmigung in Auftrag gegeben werden.

Hintergrund sei, dass sich im Nahverkehr und vor allem bei der seit Jahren kritischen Güterbahn die Lage zuspitze. Zugleich wolle der Konzern unbedingt den Anstieg der Schulden begrenzen, der dieses Jahr die 20-Milliarden-Euro-Grenze erreichen könnte. Interne Berechnungen hätten ergeben, dass die Schulden bis 2023 ohne massives Gegensteuern auf den Rekordwert von 25 Milliarden Euro steigen würden.