Streik des Flugpersonals - Zahlreiche Ryanairflüge fallen aus Zum ersten Mal streiken bei Ryanair gleichzeitig Piloten und Flugbegleiter. Für mindestens 24 Stunden legten die Mitarbeiter des Billigfliegers in Deutschland die Arbeit nieder. © Foto: Wolfgang Rattay/Reuters

Die deutschen Piloten und Flugbegleiter des Billigfliegers Ryanair haben mit einem 24-stündigen Streik begonnen. Mehrere Maschinen seien am Boden geblieben, sagte eine ver.di-Sprecherin in Frankfurt am Main. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgten einem Aufruf der Gewerkschaften ver.di und Vereinigung Cockpit. Der Streik soll bis Donnerstag um 02.59 Uhr dauern.

Das Flugpersonal legt an zwölf deutschen Basen des größten europäischen Billigfliegers die Arbeit nieder. Ryanair hatte nach der Ankündigung 150 von 400 geplanten Flügen von und nach Deutschland gestrichen und nach eigenen Angaben alle betroffenen Passagiere informiert. Die betroffenen Reisenden können kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten, teilte Ryanair mit. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Hinweis auf EU-Recht ab.

Die größten Niederlassungen in Deutschland sind Frankfurt, Berlin und Weeze in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt fliegt Ryanair 19 Flughäfen in Deutschland an, wo es am Mittwoch zu Ausfällen kommen kann.

Tarifstreit - Weitere Streiks wahrscheinlich Ryanair führe »eine despotische Willkürherrschaft«, kritisiert eine Verdi-Sprecherin die Fluggesellschaft. Bei fehlendem Entgegenkommen will das Flugpersonal weiter streiken. © Foto: Silas Stein/dpa

Ryanair erfährt derzeit die größten Streiks in der Geschichte der Fluggesellschaft. Im August hatten die deutschen Pilotinnen und Piloten gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Fluggesellschaft musste in der Folge Hunderte Verbindungen absagen. Betroffen waren etwa 55.000 Passagiere. Bei dem Arbeitskampf geht es um erstmalig abzuschließende Tarifverträge für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen.

Auch Flugbegleiter fordern höhere Löhne

Für die Gewerkschaft ver.di, die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter vertritt, ist es der erste Streik bei Ryanair. Eine zweite Verhandlungsrunde zwischen ver.di und dem Unternehmen endete am 5. September ergebnislos. Die Gewerkschaft fordert ein substanziell höheres Entgelt, die Einführung eines Basisgehalts für alle Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie eine Kompensation bei Verspätungen. Die Gewerkschaft will weitere Arbeitskämpfe folgen lassen, wenn die Fluggesellschaft kein Entgegenkommen zeigt.

Ryanair sieht sich seit Längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Fluggesellschaften. Mit den Pilotengewerkschaften in Irland und Italien konnte sich Ryanair inzwischen einigen. Das Unternehmen hatte sich erst im vergangenen Jahr bereit erklärt, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen.