Die Piloten der Billigfluglinie Ryanair wollen erneut streiken. Einen Monat nach einem Pilotenstreik mit rund 400 Flugausfällen hat die Vereinigung Cockpit die in Deutschland angestellten Piloten für diesen Mittwoch zu einem neuen Streik aufgerufen. Der Gewerkschaft Verdi zufolge werden auch die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter ihre Arbeit niederlegen.

Beginnen soll der 24-stündige Streik am Mittwoch um 03.01 Uhr. Betroffen sind alle Verbindungen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen.

Ryanair erfährt derzeit die größten Streiks in der Geschichte der Fluggesellschaft. Im August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Fluggesellschaft musste in der Folge Hunderte Verbindungen absagen. Betroffen waren rund 55.000 Passagiere. Die Piloten fordern bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Vergütung.

"Wir erwarten endlich Lösungen"

Der Billigflieger verhandelt seit Monaten erstmals mit Gewerkschaften für Piloten und Kabinenbeschäftigte in mehreren Ländern über Tarifverträge, so auch in Deutschland. Der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit zufolge sei immer noch "kein verbessertes Angebot unterbreitet" worden. "Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch. Wir erwarten endlich Lösungen", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Ingolf Schumacher.

Die Arbeitnehmervertreter wollen bei dem Billigflieger erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren. Ryanair verweist auf günstige Arbeitszeitraster und hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten, die über dem Niveau von Eurowings oder Norwegian lägen. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben keine Vereinbarungen treffen, die das Niedrigkostenkonzept infrage stellen.

Auch Flugbegleiter fordern höhere Löhne

Die Flugbegleiter verlangen in verschiedenen europäischen Ländern ebenfalls höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Einige Gewerkschaften etwa in Spanien und Portugal haben auch schon gestreikt. In Deutschland verhandelt mit rund 1.000 Flugbegleitern die Gewerkschaft Verdi mit Ryanair. Eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den Tarifparteien in der vergangenen Woche hatte kein Ergebnis gebracht. Verdi nannte das vorliegende Angebot von Ryanair "völlig indiskutabel".

Das Unternehmen sieht sich seit Längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Mit den Pilotengewerkschaften in Irland und Italien konnte sich Ryanair inzwischen einigen. Das Unternehmen hatte sich erst im vergangenen Jahr bereit erklärt, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen.