Die Großhandelspreise für Strom sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. An der Strombörse in Leipzig ist der Preis für Stromlieferungen im kommenden Jahr mittlerweile auf über 55 Euro je Megawattstunde gestiegen, wie Fabian Huneke vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool berichtet. Das sei der höchste Stand seit sieben Jahren. Im Februar 2016 sei die Megawattstunde noch für knapp unter 21 Euro gehandelt worden.

Ursache für den Preisanstieg für Strom sind die gestiegenen Beschaffungskosten für Kohle und Gas. Außerdem wirken sich die höheren Preise für die sogenannten Verschmutzungsrechte auf die Großhandelspreise von Strom aus. Nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle wurden bis Ende August an der Strombörse EEX Emissionsberechtigungen im Wert von 1,7 Milliarden Euro versteigert – deutlich mehr als im gesamten Vorjahr.

Welche Auswirkungen der Preisanstieg auf die Stromrechnungen der Haushalte in Deutschland haben wird, ist nach Einschätzung von Experten aber noch nicht abzusehen. "Der Anstieg der Großhandelspreise von drei auf fünf Cent je Kilowattstunde ist schon eine starke Erhöhung", sagte der Energieökonom Professor Andreas Löschel von der Universität Münster. Er geht jedoch davon aus, dass Verbraucher derzeit nicht von den hohen Strompreisen betroffen seien. Es gehöre zur Praxis, dass sich Stromversorger mit langfristigen Verträgen gut gegen kurzfristige Preisanstiege absicherten. "Mittelfristig kann das aber anders aussehen", sagte Löschel.

Auch Verbraucherschützer sehen derzeit keinen Anlass für Energieunternehmen, die Stromrechnungen der Haushalte zu erhöhen. Der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding, sagte: "Als die Großhandelspreise vor einigen Jahren in den Keller gegangen sind, haben sich die Versorger geweigert, die Vorteile an ihre Kunden weiterzugeben." Das sei mit langfristigen Lieferverträgen zu höheren Preisen begründet worden und müsse auch bei der umgekehrten Entwicklung gelten.

"Eine Prognose ist noch nicht möglich"

Die großen Stromversorger äußerten sich bisher nicht zu der Frage, ob sie die Strompreise im kommenden Jahr erhöhen. "Eine Prognose ist noch nicht möglich", sagte ein Sprecher von E.on. Das Unternehmen ist einer der größten Stromversorger Deutschlands. So setze sich der Strompreis aus vielen Komponenten zusammen – der Einkauf mache nur 18 Prozent des Endpreises aus. Erst wenn feststehe, wie sich die vom Verbraucher zu zahlenden Umlagen entwickelten, könnten Aussagen über den Strompreis getroffen werden.

Die Verbraucher zahlen die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien mit der Stromrechnung. Derzeit fallen für die Ökostromförderung 6,79 Cent je Kilowattstunde an. Wie hoch die EEG-Umlage 2019 ausfällt, soll Mitte Oktober feststehen. Nach einer Schätzung der Denkfabrik Agora Energiewende könnte sie im kommenden Jahr stabil bleiben. Auch das sei eine Folge der steigenden Großhandelspreise. Diese hätten zur Folge, dass Ökostrom-Anlagen mehr Geld auf dem Strommarkt erlösten.

"Der Emissionshandel löst jetzt einen Teil seines Versprechens ein", sagte Energieökonom Löschel über die Entwicklung. "Es ist aber noch nicht klar, ob das ein langfristiges Preissignal ist." Stabilisiere sich der Großhandelspreis auf dem höheren Niveau, könnte die EEG-Umlage in Zukunft sogar sinken, so Löschel. Mit niedrigeren Strompreisen könnten die Verbraucher aber wohl nicht rechnen. "Insgesamt steigen die Kosten der Stromerzeugung und damit auch die Strompreise für die Endkunden", sagte der Wissenschaftler.