Wegen des angedrohten Streiks des Flugpersonals hat die irische Airline Ryanair für diesen Mittwoch 150 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die betroffenen Kunden würden umgehend informiert und entschädigt, kündigte der Marketingchef Kenny Jacobs an. Zunächst hatte es geheißen, dass anders als beim letzten Streik am 10. August keine Verbindungen abgesagt würden. Jetzt will Ryanair die Kunden über die Ausfälle per E-Mail und SMS informieren. Passagiere könnten ihre Verbindungen kostenfrei auf Donnerstag bis Sonntag umbuchen.

Erstmals streiken am Mittwoch sowohl die Pilotinnen und Piloten als auch die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, die von den beiden Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi vertreten werden. Für Verdi ist es der erste Streik bei Ryanair. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass 300 bis 350 Flüge betroffen sein könnten. Ryanair habe an den zwölf Standorten in Deutschland etwa 1.000 Flugbegleiter, davon seien 700 Leiharbeitnehmer. "Der größte Teil von ihnen ist inzwischen bei uns organisiert", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Wegen des Streiks hat Ryanair mit einem Stellenabbau in Deutschland gedroht. Solche Arbeitskampfmaßnahmen würden zur Streichung von Standorten und Stellen für Piloten sowie Flugbegleiter führen, teilte das Unternehmen mit.

20 Prozent der deutschen Piloten nicht bei Ryanair angestellt

Die zweite Verhandlungsrunde zwischen Verdi und Ryanair endete am 5. September ergebnislos. Die Gewerkschaft fordert ein substanziell höheres Entgelt, die Einführung eines Basisgehalts für alle Flugbegleiter sowie eine Kompensation bei Verspätungen. Die Maximalforderung im Entgeltbereich liege immer noch unter dem Niveau von Easyjet im Jahr 2016, heißt es von der Gewerkschaft. "Die Gehälter der Flugbegleiter bei Ryanair sind so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um einen auskömmlichen Lebensstandard zu sichern", sagte Behle. "Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen und ein massiver Druck auf die Beschäftigten."

Der Ausstand der Piloten soll am Mittwoch um 3.01 Uhr beginnen und am Donnerstag um 2.59 Uhr enden, kündigte die Vereinigung Cockpit an. Unter den Piloten gibt es nach Einschätzung der Gewerkschaft etwa ein Drittel, das nicht direkt bei Ryanair angestellt ist und daher nicht mitstreiken kann. Die Airline selbst hatte vor einem Monat erklärt, dass etwa 20 Prozent der deutschen Piloten nicht bei Ryanair angestellt seien.

Am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge etwa 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europaprogramms. Betroffen waren damals rund 55.000 Passagiere.