BMW übernimmt in China für 3,6 Milliarden Euro 75 Prozent an seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem lokalen Autohersteller Brilliance. Die Vereinbarung unterzeichneten beide Seiten in der nordostchinesischen Stadt Shenyang. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als drei Milliarden Euro investiert werden. Mit einem neuen Werk werde die Kapazität am Standort Tiexi verdoppelt, teilte der Münchner Automobilkonzern mit.

Während einer Feier zum 15-jährigen Bestehen des Joint Ventures wurde der Vertrag zudem vorzeitig um 22 Jahre bis 2040 verlängert. Die Übernahme der Mehrheit muss von den Behörden und den Brilliance-Aktionären noch genehmigt werden. Allerdings hatte die chinesische Regierung schon frühzeitig signalisiert, dass sie den Ausbau der Anteile von BMW an dem Gemeinschaftsunternehmen begrüßt. 

BMW baut seit 2003 zusammen mit Brilliance in Shenyang Autos. Bisher hielt BMW 50 Prozent, Brilliance 40,5 Prozent. Die restlichen 9,5 Prozent liegen bei der Stadt Shenyang.

"Dynamischer Wachstumsmarkt für uns"

"Wir setzen unsere Wachstumsstrategie für China konsequent um", sagte der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger. Mit kontinuierlichen Investitionen und der Entwicklung und Produktion elektrischer Fahrzeuge komme China eine große Bedeutung als dynamischer Wachstumsmarkt zu.

Die Gesamtkapazität von BMW soll ab Anfang der 2020er-Jahre auf 650.000 Autos pro Jahr gesteigert werden. Im vergangenen Jahr liefen in den beiden Werken Tiexi und dem benachbarten Dadong etwa 400.000 Autos vom Band – ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Auf dem bestehenden Werksgelände in Tiexi wird das neue Werk geplant, während Dadong um- und ausgebaut wird, hieß es. Gegenwärtig werden sechs BMW-Modelle in China gebaut.

Der bayerische Autohersteller hat 2017 in China etwa 560.000 Autos ausgeliefert. Der Absatz stieg in den ersten acht Monaten des Jahres um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. BMW will sich auch verstärkt auf die steigende Nachfrage nach Elektroautos in China einrichten. Sechs Modelle werden heute schon mit Elektromotor angeboten. In Dadong läuft ab 2020 der vollelektrische BMWiX3 vom Band. Er wird ausschließlich in China gebaut und soll von dort auch exportiert werden. 

Kaufanreize und bevorzugte Zulassung für Elektroautos

Die Regierung in Peking treibt massiv den Ausbau der Elektromobilität auf dem weltweit größten Automarkt in China voran. Ein Kaufanreiz ist die bevorzugte Zulassung von E-Autos in großen Metropolen. Nummernschilder für Benzinautos werden verlost oder müssen teuer ersteigert werden. Käufer müssen oft jahrelang warten, während Elektrofahrzeuge eher zugelassen werden. Auch gibt es Fahrverbote an bestimmten Tagen, die für E-Autos nicht gelten.

In Tiexi sollen vollelektrische, teilelektrische und konventionelle Antriebe in der neuen Fertigung auf einer einzigen Produktionslinie gefertigt werden. "Mit unserem hochflexiblen Produktionssystem können wir schnell auf die Marktnachfrage reagieren und wären in der Lage, bis zu 100 Prozent elektrische Fahrzeuge zu produzieren", sagte Produktionsvorstand Oliver Zipse.