Das chinesische Pharmaunternehmen Changchun Changsheng ist zu einer Geldstrafe von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro verurteilt worden. Die Strafe stehe im Zusammenhang mit dem Impfskandal in China, teilte die chinesische Arznei- und Lebensmittelaufsicht mit.

Im Juli hatte die Aufsichtsbehörde bei einer Inspektion von Changchun Changsheng mehrere Regelverstöße bei der Produktion eines Impfstoffes gegen Tollwut festgestellt. Die Firma habe unter anderem Unterlagen über den Herstellungs- und Inspektionsprozess gefälscht. Die Produktion des Mittels wurde daraufhin gestoppt.

Auch andere Impfstoffe von Changchun Changsheng seien geprüft worden, teilte die Behörde mit. Die Medikamente hätten keine Qualitätsmängel aufgewiesen. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde wurden die beanstandeten Impfdosen allerdings nicht ausgeliefert – staatliche Medien hingegen berichteten das Gegenteil.

Die chinesische Öffentlichkeit reagierte mit Kritik und Empörung auf das Bekanntwerden der Vorwürfe. Nach zahlreichen Skandalen ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit von Lebensmitteln und Medikamenten gesunken. Einige Eltern aus China lassen ihre Kinder mittlerweile im Ausland impfen.

Erst im Juli waren mehrere Mitarbeiter desselben Arzneimittelherstellers wegen der Produktion minderwertiger Kombinationsimpfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten festgenommen worden. Mindestens 200.000 Kleinkinder sollen den unwirksamen Impfstoff erhalten haben.

Changchun Changsheng ist der zweitgrößte Hersteller von Antitollwutimpfstoffen in China. Nach dem Skandal hatte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang die Bildung einer Untersuchungskommission angekündigt. Ziel sei es, die Praktiken in der Pharmabranche offenzulegen. Der Impfskandal habe, sagte Li Keqiang, eine moralische Linie überschritten.