Das Unternehmen Perpetual Guardian könnte in Neuseeland zu einem der attraktivsten Arbeitgeber werden: Die Finanz- und Immobilienfirma hat offiziell die Vier-Tage-Woche als Normalarbeitszeit eingeführt. Und zwar bei vollem Lohnausgleich. Ab sofort haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon freitags Wochenende, ohne dass sie dafür auf Gehalt verzichten müssen.

Internationale Bekanntheit hatte das knapp 250 Beschäftigte umfassende Unternehmen bereits vor einigen Monaten erlangt, als es bekanntgab, die Arbeitszeitverkürzung von 100 auf 80 Prozent für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Pilotversuch zu testen. Der Versuch wurde wissenschaftlich von der Auckland Business School begleitet. Die Forscherinnen und Forscher – und der Arbeitgeber selbst – wollten wissen: Wie wirkt sich die Arbeitszeitverkürzung aus? Wäre es noch möglich, die Arbeit zu schaffen? Würde sich das psychische und physische Wohlergeben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern, ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichterfallen? Oder wäre das ganze Experiment zwar schön für die Angestellten, aber ein wirtschaftliches Desaster?

Perpetual Guardian hatte im November 2017 in einer Mitarbeiterumfrage festgestellt, dass fast jeder zweite und jede zweite Beschäftigte unzufrieden mit der Arbeitszeit war. Die Angestellten fühlten sich gestresst, klagten über gesundheitliche Beeinträchtigungen. Nur 54 Prozent von ihnen gaben an, dass es ihnen nicht schwerfiele, eine ausgewogene Balance zwischen Privatleben und Job zu finden. Vor allem bemängelten die Beschäftigten die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vielen fehlte Zeit, ihr Privatleben mit kleinen Kindern oder älteren Angehörigen zu regeln. Das ginge auch im Job zulasten ihrer Leistungsfähigkeit.

Zufriedenheit und Produktivität sind stark gestiegen

Das Management beschloss, zu handeln und rang sich zu dem Test mit der kollektiven Arbeitszeitverkürzung durch, der im März und April dieses Jahres durchgeführt wurde. Acht Wochen lang hatten die Angestellten – bis auf eine Abteilung, die einen Finanzbericht mit Deadline fertigzustellen hatte – immer freitags frei. Befragungen vor und nach dem Versuch ergaben: Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ging es sowohl psychisch als auch körperlich besser. 78 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass es ihnen gut gelinge, eine Balance zwischen Leben und Arbeit herzustellen. Auch gestresst fühlten sich weniger Personen. Der ungewöhnliche Test steigerte auch die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Firma insgesamt. Die Stimmung war besser, die Leute identifizierten sich durch das Entgegenkommen bei Arbeitszeit und Gehalt wieder stärker mit Perpetual Guardian. 

Und noch etwas habe sich verbessert, teilte Geschäftsführer Andrew Barnes mit: die Arbeitsleistung, die sich auch mit wirtschaftlichen Kennzahlen messen lässt. Die Produktivität sei trotz der in der Summe immensen Reduktion der Arbeitszeit aller Beschäftigten nicht gesunken, erklärte der Chef. Darum habe sich das Management entschlossen, die Vier-Tage-Woche nun generell einzuführen. Alle Beschäftigten können nun wählen – entweder sie entscheiden sich für die kürzere Arbeitswoche mit acht Stunden am Tag von montags bis donnerstags oder aber ein anderes flexibles Modell.