Das US-Unternehmen Amazon will zwei weitere Firmenstandorte eröffnen. Den Zuschlag sollen Long Island im New Yorker Stadtteil Queens und Crystal City im Norden des Bundesstaates Virginia erhalten, gab das Unternehmen bekannt. An den beiden neuen, "HQ2" genannten Standorten sollen jeweils 25.000 Menschen arbeiten. Der Konzern hat angekündigt, fünf Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) in das Vorhaben zu investieren. Der Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, sagte: "Wir sprechen über das größte Einzelabkommen zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Geschichte von New York City."

Amazon hatte vor etwa einem Jahr erklärt, neben dem bisherigen Hauptsitz in Seattle den Aufbau einer zweiten Firmenzentrale in Nordamerika zu planen. Vor wenigen Tagen hatte es dann aus dem Umfeld von mit den Planungen vertrauten Personen geheißen, die neuen Arbeitsplätze sollten auf zwei Städte aufgeteilt werden. Eine Aufteilung auf zwei Standorte verringert die Probleme, die aus der Ansiedlung folgen könnten, etwa der Zuzug der dort Beschäftigten, der einen einzelnen Ort und dessen Infrastruktur überfordern könnte. 

Städte konkurrierten mit Steuernachlässen

Insgesamt gab es 238 Bewerber für die neue Niederlassung. Die Städte und Bundesstaaten hatten unter anderem mit milliardenschweren Steuernachlässen und anderen Annehmlichkeiten um Amazon geworben. Amazon hatte zuvor deutlich gemacht, dass Steuernachlässe, das Angebot an Bauland und Umsiedlungshilfen als Kriterien für den neuen Standort entscheidend seien. Es müsse zudem einen internationalen Flughafen, öffentlichen Nahverkehr und gute Bildungseinrichtungen geben. Im Gegenzug verspricht der Konzern neben vielen Jobs auch hohe Investitionen. 

Experten sehen Amazons Expansion kritisch. Häufig würden Investitionen und Arbeitsplätze durch Steuergelder teuer erkauft, zudem erfüllten sich die Versprechen nicht immer. Wie die New York Times berichtet, hatte ein Aktionsbündnis, das Vertreter von 21 Bundesstaaten umfasst, deshalb Amazon-Chef Jeff Bezos aufgefordert, das Auswahlverfahren möglichst transparent zu gestalten.

Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten?

Vorbehalte gibt es auch hinsichtlich der Stadtveränderungen, die mit der Ankunft großer Konzerne einhergehen können. So könnte der Zuzug hoch bezahlter Techarbeitskräfte die Mieten und Lebenshaltungskosten steigen lassen. Dieses Phänomen ist etwa in der kalifornischen Bay Area mit der Metropole San Francisco nahe der IT-Hochburg Silicon Valley zu beobachten, aber auch an Amazons bisher einzigem Hauptsitz in Seattle und in anderen Regionen. 

Derzeit beschäftigt Amazon an seinem Hauptstandort Seattle 40.000 Mitarbeiter in 33 Gebäuden. Insgesamt sind etwa 613.300 Menschen beim weltgrößten Internethändler angestellt.