Der in Japan inhaftierte Renault- und Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn muss noch länger im Gefängnis bleiben. Ein Tokioter Gericht verlängerte die Untersuchungshaft um zehn Tage – bis zum 1. Januar. Hintergrund ist ein neuer Haftbefehl, der am Freitag ausgestellt worden war.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, um 2008 herum persönliche Schulden in Höhe von knapp 17 Millionen Dollar (14 Millionen Euro) bei dem japanischen Autobauer abgeladen haben zu sollen. Medienberichten zufolge wies Ghosn auch die neuen Anschuldigungen zurück.

Ghosn war am 19. November festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, jahrelang sein Einkommen nicht vollständig angegeben und damit gegen Börsenauflagen verstoßen zu haben. Zwischen 2011 und 2015 soll nur die Hälfte von Ghosns Einkommens deklariert worden sein. Die nicht angegebene Summe soll 39 Millionen Euro betragen. Zudem soll Ghosn sich persönlich an Firmenkapital des Autobauers Nissan bereichert haben.

Am Donnerstag sah es noch so aus, als ob Ghosn in Kürze freikommen könnte, weil die Untersuchungshaft wegen der ursprünglichen Vorwürfe nicht ein zweites Mal verlängert wurde. Bei einer Verurteilung in diesem Fall drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Seit Ghosn festgenommen wurde, wankt die Autoallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der Manager war jahrelang die treibende Kraft hinter dem Bündnis. Während Ghosn wegen des Finanzskandals bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher dagegen nur ruhen lassen.

Nissan und der japanische Autobauer Mitsubishi haben Ghosn als Verwaltungsratsvorsitzenden abgesetzt. Renault hält offiziell an Ghosn als Vorstandschef fest. Die Geschäfte führt vorläufig sein Stellvertreter Thierry Bolloré.