Der Discounter Aldi Nord ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Egal ob in Deutschland, Frankreich oder Polen, der Billiganbieter breitet sich aus. Doch ausgerechnet auf dem Heimatmarkt gibt es jetzt Probleme: Erstmals in seiner mehr als 50-jährigen Firmengeschichte wird der Discounter dieses Jahr in der Bundesrepublik einen Verlust schreiben, wie ein Aldi-Sprecher mitteilte. Zuvor hatten die Lebensmittel Zeitung und das Manager Magazin darüber berichtet.

Der Handelskonzern hatte im vergangenen Jahr damit begonnen, seine lange vernachlässigten Filialen zu modernisieren. Mit dem Investitionsprogramm Aldi Nord Instore Konzept, kurz Aniko, sollten sie heller, freundlicher und großzügiger werden. Die Verkaufsflächen sollten weg vom kargen Neonlicht und Holzpaletten und hin zu einer gemütlichen Atmosphäre mit mehr frischem Obst und Gemüse. Eine Milliarde Euro wollte sich die Firma das europaweit kosten lassen.

Der Discounter erhoffte sich davon aufgrund der Erfahrungen in Testfilialen kräftige Umsatzzuwächse. Doch es kam anders. Trotz der guten Konjunktur und der hohen Investitionen wird Aldi Nord nach eigenen Angaben in diesem Jahr im deutschen Geschäft lediglich ein bescheidenes Umsatzplus von rund einem Prozent erzielen. Damit dürften die Essener deutlich hinter den Konkurrenten liegen.

Starkes Auslandsgeschäft gleicht Verluste in Deutschland aus

Für die schwache Umsatzentwicklung wird nicht nur die Tatsache verantwortlich gemacht, dass Woche für Woche gut 40 Filialen wegen der notwendigen Umbauarbeiten geschlossen waren und ihr Umsatz ausfiel. Wichtiger war vielleicht, dass der Umgang mit dem neuen Ladenkonzept viele im Unternehmen überforderte. Es habe unter anderem Probleme bei der Warenverfügbarkeit und bei der Personaleinteilung gegeben, was das Geschäft spürbar beeinträchtigt habe, hieß es.

Die Schwierigkeiten waren wohl auch ein Grund für den überraschenden Abgang von Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger im Herbst dieses Jahres. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete, wurde Heußinger innerhalb des Unternehmens und von den Eigentümerfamilien vorgeworfen, er setze das Modernisierungsprogramm nicht schnell genug um.

"Es gibt kein Sparprogramm. Es gibt keinen Personalabbau, sondern ganz im Gegenteil eine radikale Modernisierung", kündigte der Unternehmenssprecher an. Doch werde auch 2019 wohl ein schwieriges Jahr für das Unternehmen. An Geld soll es bei dem Umbau nicht mangeln. "Die Investitionen werden sowohl aus dem Cashflow und den Rücklagen getätigt als auch durch Gesellschaftereinlagen sichergestellt", sagte der Unternehmenssprecher.

Und natürlich hilft auch, dass in anderen Teilen des internationalen Aldi-Nord-Netzes die Geschäfte derzeit deutlich besser laufen als in Deutschland. In diesem Jahr werden die Gewinne der Auslandstöchter nach Unternehmensangaben dafür sorgen, dass Aldi Nord als Ganzes trotz der Verluste in zweistelliger Millionenhöhe in Deutschland einen Gewinn macht.