Die japanische Staatsanwaltschaft hat zwei neue Anklagen gegen den ehemaligen Nissan-Chef Carlos Ghosn erhoben. Der Automanager soll auch in den drei vergangenen Geschäftsjahren sein Einkommen zu niedrig angegeben haben, teilte das zuständige Gericht in Tokio mit. Zudem werfen die Strafverfolger Ghosn schweren Vertrauensbruch vor. Dabei geht es seinem Anwalt zufolge um die vorübergehende Übertragung von Verlusten aus persönlichen Anlagen auf Nissan im Jahr 2008.

Ghosn war am 19. November in Tokio festgenommen worden, weil er seine Einkünfte in den fünf Jahren bis 2015 nicht vollständig angegeben haben soll. Seine Untersuchungshaft sollte eigentlich am Freitag enden, Ghosns Anwälte halten es aber für möglich, dass der 64-Jährige noch für mindestens sechs weitere Monate in Haft bleiben könnte, bis sein Prozess beginnt. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Seine Anwälte erklärten, eine Freilassung auf Kaution fordern zu wollen.

Einen solchen Antrag hatte das Gericht nach einer Anhörung Ghosns am Dienstag abgelehnt. Es bestünde Fluchtgefahr und das Risiko, dass Ghosn Beweismittel vernichten könnte, lautete die Begründung. Ghosn selbst bestreitet die Vorwürfe. "Ich wurde falsch beschuldigt und unfair festgenommen, basierend auf wertlosen und unbegründeten Anschuldigungen", sagte er bei der Anhörung.

Seit Ghosn festgenommen wurde, steht die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi vor großen Problemen. Der Manager war die treibende Kraft hinter dem Bündnis. Während Ghosn wegen des Finanzskandals bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher nur ruhen lassen.