Die deutsche Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt. Die Berliner Airline stellte in der Nacht zum Dienstag alle Flüge ein. "Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen", sagte Geschäftsführer Karsten Balke. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bereits über das Aus des Unternehmens informiert.

Passagiere, deren Flugticket Teil einer Pauschalreise ist, sollen sich den Angaben nach direkt an den Veranstalter wenden. Wer sein Ticket direkt bei Germania gekauft hat, könne nicht mit einer Erstattung oder einer sogenannten Ersatzbeförderung rechnen, hieß es.

Der Lufthansa-Konzern und die Fluggesellschaft Condor bieten Germania-Passagieren jedoch verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Angebote richteten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs seien.

Im Ausland fest sitzende Germania-Kundinnen und Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar dieses Jahres ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen, die Hälfte des Flugpreises werde ihnen im Nachhinein erstattet. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern Plätze frei sind.

Zusätzlich soll auf lufthansa.com in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Geplant sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten). 

Keine staatliche Unterstützung

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht keinen Anlass für staatliche Hilfen. Erfolg und Misserfolg seien Teil der Marktwirtschaft. Der Staat habe auch nicht versucht, das Unternehmen Air Berlin zu retten, sagte der Minister. "Und die Dinge haben ihren Gang genommen, wie hier auch." Bei Germania gehe es um einen Fall "von viel begrenzterer Dimension", den allermeisten Passagieren könne wohl von Veranstaltern und Reisebüros geholfen werden. Innerhalb der Bundesregierung werde die Lage derzeit analysiert, sagte Altmaier.

Die finanziellen Probleme der Fluggesellschaft waren Anfang Januar bekannt geworden. Der Flugbetrieb lief zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende des Monats wurde dann bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januargehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".

Noch am Montag hatte die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung berichtet, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airlinemanagern helfen und kurzfristig einen zweistelligen Millionenbetrag bereitstellen wolle. Zu der Gruppe gehöre auch der frühere Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung, dass vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt worden sei.

Insolvenz nach 30 Jahren

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Die Airline wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte Germania mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihren Flugbetrieb eingestellt, rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in Insolvenz.