US-Strafzölle auf europäische Autoimporte schaden nach Einschätzung des deutschen Branchenverbandes VDA auch den amerikanischen Herstellern. Sie würden niemandem nutzen, sondern nur "den Welthandel und internationale Wertschöpfungsketten schwächen", sagte der Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, der Passauer Neuen Presse. Die US-Strafzölle wären "eine erhebliche Belastung, nicht nur für die europäische Automobilindustrie, sondern vor allem auch für die amerikanische", sagte Mattes. Auch aus Sicht von Daniel Caspary, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, stellen Zölle auch eine Gefahr für die US-Autoindustrie dar.

Einerseits sind auch US-Hersteller in lange internationale Lieferketten eingebunden. Andererseits stellen deutsche Unternehmen in den USA Autos her. BMW, Mercedes und VW haben im vergangenen Jahr in dem Land etwa 750.000 Autos gebaut und beschäftigen inklusive Zulieferern vor Ort 118.000 Menschen. Für BMW ist das US-Werk Spartanburg der zweitwichtigste Standort nach Shenyang in China – alle großen SUV-Autos vom X4 bis zum X7 werden dort gebaut, auch für den Export nach Europa und China. Mercedes baut im US-Werk Tuscaloosa ebenfalls die großen SUV GLS, GLE und GLE Coupé für alle Märkte und die die C-Klasse für den US-Markt.

Das US-Handelsministerium hatte Präsident Donald Trump eine Einschätzung vorgelegt, ob der Import von Autos und Zulieferteilen die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigt. Vertritt das Ressort tatsächlich diese Sicht, könnte der US-Präsident binnen 90 Tagen entscheiden, ob er höhere Zölle erheben will.

Autos keine nationale Bedrohung

Diese würden Deutschland besonders treffen. Daher bemühe sich die Bundesregierung um eine Lösung am Verhandlungstisch, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Inhalt des Berichts aus dem US-Handelsministerium liege der Regierung noch nicht vor. Auch wann genau die Einschätzung des Ministeriums offiziell verkündet wird, ist offen.

Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff fordert eine deutliche Reaktion, sollten die USA neue Zölle erheben. "Deutsche Autos sind keine nationale Bedrohung für die USA – zumal ja viele sogar dort gebaut werden. Rechtswidrige Zölle dürfen und werden wir uns nicht gefallen lassen", sagte er der Heilbronner Stimme.

Die EU kündigte für den Fall von neuen US-Abgaben Vergeltungsschritte an. "Trump hat mir sein Wort gegeben, dass es vorerst keine Autozölle gibt", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Er halte die Aussage für belastbar. "Sollte er sein Wort brechen, werden wir uns an unsere Zusage, mehr US-Soja und Flüssiggas zu kaufen, auch nicht mehr gebunden fühlen", sagte Juncker.

"Wirtschaftliche Kriegserklärung"

Juncker und Trump hatten sich im Juli darauf verständigt, Gespräche über den Abbau von Handelsbarrieren aufzunehmen. Die angedrohten US-Zölle waren damit zunächst vom Tisch. Auch der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), nannte es laut RedaktionsNetzwerk Deutschland "absolut undenkbar, dass europäische Autos eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellen könnten".

Der Vorsitzende der europäischen Grünen-Partei, Reinhard Bütikofer, nannte es "eine wirtschaftliche Kriegserklärung an die EU und an Deutschland", würde Trump tatsächlich Zölle verhängen.