Im jahrelangen Konflikt mit dem US-Konzern ConocoPhillips um verstaatlichte Ölfelder ist Venezuela zu einer hohen Entschädigungszahlung angewiesen worden. Das Schiedsgericht der Weltbank ICSID sprach der Ölfirma 8,7 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Euro) zu. Der US-Konzern hatte eine deutlich höhere Entschädigung gefordert.

Venezuela kann die Entscheidung noch anfechten. Es ist zudem offen, ob das krisengeschüttelte Land, das mitten in einem politischen Machtkampf steckt, der Zahlung nachkommen wird. Wie und wann die Entschädigung zu bekommen sei, müsse noch geklärt werden, teilte ConocoPhillips mit. Die venezolanische Regierung äußerte sich bisher nicht zu dem Urteil. ConocoPhillips lobte die Entscheidung. Sie zeige, dass eine Regierung nicht illegal und ohne Entschädigung privaten Besitz enteignen könne.

Der damalige Staatschef Hugo Chávez hatte die Ölindustrie 2007 verstaatlicht und ausländische Firmen gezwungen, mindestens 60 Prozent ihres Geschäfts an die staatliche Gesellschaft PDVSA zu übertragen. ConocoPhillips zog sich daraufhin aus Venezuela zurück.  Das Weltbank-Tribunal hatte die Aktion schon 2013 als unrechtmäßige Enteignung bewertet.

Venezuela zählt zu den größten Erdöl-Exporteuren Südamerikas. Durch Missmanagement, US-Sanktionen sowie fehlende Investitionen ist die Produktion auf das niedrigste Niveau seit fast 70 Jahren gesunken. Die rückläufigen Ölexporte haben das Opec-Land in eine tiefe Wirtschaftskrise gestürzt. Mehr als drei Millionen Bürger haben Venezuela verlassen.

Die verbliebene Bevölkerung leidet unter einer starken Inflation sowie Lebensmittel- und Medikamentenknappheit. Seit Wochen liefern sich der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen Kampf um die Macht im Land.