Die von Berlin aus betriebene Fusion der Commerzbank mit der Deutschen Bank ist die jüngste Demütigung in einer inzwischen langen Reihe von Pech, Problemen und Pannen für das 149 Jahre alte Frankfurter Geldinstitut. Die Bundesregierung fürchtet um die Existenz der letzten internationalen Großbank Deutschlands, daher der Fusionsplan

Die Sorge ist nicht unbegründet. Der Internationale Währungsfonds warnte 2016, die Deutsche Bank sei das größte Risiko für das globale Finanzsystem. Seither hat sich die Lage zwar etwas stabilisiert, die Bank meldete für 2018 sogar erstmals nach drei Verlustjahren wieder einen – wenn auch knappen – Gewinn. Doch an den grundsätzlichen Problemen hat sich nichts verändert. Nach wie vor fehlt in der Chefetage eine Vorstellung davon, was die Rolle der Deutschen Bank sein soll und mit welchem Geschäftsmodell sie künftig wachsen und Geld verdienen will.

Vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass sich die Deutsche Bank von der Politik etwas sagen lassen würde. Es war eher andersherum. In den Neunzigerjahren war die Deutsche Bank das mächtigste Geldinstitut in Europa. Sie war über ihre Beteiligung an den Großkonzernen im Land der Nexus der Deutschland AG. Noch 2007 gehörte sie neben der britischen RBS und der französischen BNP Paribas zu den größten Banken der Welt. Stolz verwies der damalige Chef Josef Ackermann darauf, sein Institut habe es ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise geschafft. 

Skandale, Skandale, Skandale

Seither gab es kaum einen Skandal in der Finanzwelt, bei dem die Deutsche Bank nicht auftauchte. Die US-Justiz warf ihr vor, toxische Hypothekenprodukte vertrieben und damit zur Finanzkrise beigetragen zu haben. Um die Vorwürfe beizulegen, zahlte die Bank 7,2 Milliarden Dollar. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor verhängten amerikanische und britische Behörden 2,5 Milliarden Dollar Strafe. 

Geschäfte mit dem Iran, Syrien, Libyen und dem Sudan führten wegen Sanktionsverstößen zu weiteren Vergleichszahlungen in die USA. Nicht zuletzt interessierten sich Fahnder für die Deutsche Bank wegen Geldwäsche für russische Oligarchen. Die Liste ließe sich fast beliebig verlängern: Händler der Bank waren in schmutzige Geschäfte des Waffenhändlers Adnan Kashoggi verwickelt. 2010 zahlte die Bank über 500 Millionen Dollar, um Vorwürfe wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA beizulegen. In den zehn Jahren seit der Krise musste die Deutsche Bank über 17 Milliarden Dollar an Strafen und Vergleichszahlungen leisten, rechnete der Finanznachrichtendienst Bloomberg zusammen. Das schwächte nicht nur die Finanzkraft, sondern es schädigte auch nachhaltig den Ruf. 

Die Wall Street ist schuld

Wie konnten ausgerechnet bei dem einstigen Traditionsinstitut die Dinge derart schief laufen? Die Antwort: Schuld ist die Wall Street, genauer gesagt der Ehrgeiz der deutschen Banker, dort maßgeblich mitzuspielen. Als die Deutsche Bank sich in den Neunzigern aufmachte, die angelsächsische Finanzwelt zu erobern, schien die Wandlung zum Global Player die richtige Strategie. Deutsche Konzerne waren weltweit aktiv, Deutschland begann seinen Aufstieg zum Exportweltmeister. Wichtiger noch: Wall-Street-Häuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan begannen, neue Märkte zu erobern. Bald bedrängten sie Deutsche Bank auf deren Heimatmarkt. 

Unter Führung von Hilmar Kopper – bekannt geworden wegen seiner Bemerkung, Millionen unbezahlter Handwerkerrechnungen seien Peanuts – ging die Bank in die Offensive. Erst mit dem Kauf des angesehenen Londoner Investmenthauses Morgan Grenfell, doch das war der Deutschen Bank nicht mehr genug. Um ernsthaft gegen die Wall-Street-Stars bei Goldman Sachs und Morgan Stanley antreten zu können, wollten die Frankfurter Banker ein US-Institut übernehmen. Die Wahl fiel auf Bankers Trust. Sie hätte schlechter nicht sein können.