Die Deutsche Bank und die Commerzbank wollen Gespräche über eine mögliche Fusion aufnehmen. Das teilten die beiden größten deutschen Privatbanken nach einer getrennten Sitzung ihrer Vorstände mit. Der Vorstand der Deutschen Bank habe "beschlossen, strategische Optionen zu prüfen", gab die Bank in einer Stellungnahme bekannt. Ziel müsse sein, dass die Bank wachse und profitabler würde. 

In einer Mitteilung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bank schrieb Vorstandschef Christian Sewing, man müsse sich "mit Gelegenheiten beschäftigen, wenn sie sich bieten". Der Vorstand habe die Pflicht, die Möglichkeiten, die sich der Bank böten, "sorgfältig zu prüfen". Die Commerzbank sprach in einer Mitteilung von "ergebnisoffenen Gesprächen über einen eventuellen Zusammenschluss".

Die Sondierungsgespräche würden allerdings "eine Weile brauchen", hieß es von Seiten der Deutschen Bank. "Uns geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagte Deutsche-Bank-Kommunikationschef Jörg Eigendorf vor Journalisten in Frankfurt. Einen Zusammenschluss werde es nur geben, wenn er "wirtschaftlich sinnvoll" sei. Dafür brauche es einen guten Plan, allem voran einen guten Integrationsplan, so Eigendorf. Dieser werde jetzt mit der Commerzbank ausgelotet, danach falle eine Entscheidung.

Eigendorf zufolge soll die Deutsche Bank auch nach einem Zusammenschluss eine globale Bank bleiben. Ihre "führende Position" in Deutschland und Europa könne sie nun möglicherweise mit der Commerzbank ausbauen.

Das Bundesfinanzministerium teilte in einer Stellungnahme mit, man nehme "die Entscheidung der beiden Privatbanken, über die Möglichkeiten einer engeren Kooperation ergebnisoffen zu sprechen, zur Kenntnis". Das Ministerium stünde mit allen Beteiligten regelmäßig in Kontakt.

Seit Monaten wird über eine Fusion der beiden Institute spekuliert. Vergangenes Wochenende war durchgesickert, dass der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und der Commerzbank-Chef Martin Zielke im kleinen Kreis über ein Zusammengehen der beiden größten deutschen Privatbanken sprechen. Die Sondierungen sollen in einem sehr frühen Stadium sein. "Man will ein Zusammengehen ernsthaft prüfen", zitiert Reuters einen nicht namentlich genannten Insider aus Finanzkreisen. "Es steht aber keineswegs fest, dass es am Ende dann auch zu einer Transaktion kommt."

Zwei Dutzend Treffen mit dem Staatssekretär

Immer wieder bekräftigten Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies: Deutschland brauche starke Banken. Die Bundesregierung stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber". 

Allein Kukies traf sich offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr fast zwei Dutzend Mal mit führenden Vertretern der Deutschen Bank. Bei der Commerzbank hat der Bund über seine Aktienbeteiligung von gut 15 Prozent, die er seit der Finanzkrise hält, ein Mitspracherecht. Medienberichten zufolge sollen Scholz und Kukies die beiden Bank-Chefs gedrängt haben, ein Zusammengehen zu prüfen – idealerweise vor der Europawahl Ende Mai.

Die Gewerkschaften sind jedoch gegen den Zusammenschluss, weil sie den Abbau von mehreren zehntausend Stellen befürchten. Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsräten der zwei Banken haben angekündigt, gegen eine Fusion zu stimmen.

Kritik kommt auch von Seiten der Linkspartei: "Zwei kranke Truthähne ergeben keinen Adler", sagte Fraktionsvize Fabio De Masi. Finanzminister Scholz habe die beiden Banken "in eine Fusion geredet". Scholz wolle eine "Megabank" schaffen, die "noch weniger abwicklungsfähig ist und daher auf den Schultern der Steuerzahler lastet". Eine Bank, für die Steuerzahler hafteten, sei attraktiv für Investoren, aber ein Sicherheitsrisiko für die Wirtschaft und Bevölkerung, kritisierte De Masi.

FDP-Chef Christian Lindner begrüßte hingegen die Fusionspläne. "Deutschland braucht eine starke Privatbank. Allein waren Deutsche Bank und Commerzbank das nicht mehr", sagte er der Bild-Zeitung. Es müsse jetzt "anhand konkreter Konzepte" geprüft werden, ob eine Fusion sinnvoll sei. Diese müsse aber durch die Eigentümer geschehen. "Eine vom Staat eingefädelte Zwangsfusion wäre weder für Kunden noch für Eigentümer gut", warnte Lindner.

Sollte die Zusammenlegung gelingen, entstünde die mit Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, zunächst etwa 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro.