Die insolvente Berliner Fluggesellschaft Germania wird abgewickelt, die Rettungsversuche sind gescheitert. Alle seriösen Bieter seien abgesprungen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg mit. Eine Stilllegung sei nun nicht mehr abzuwenden. "Die Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigungen und werden zusätzlich zum Anfang April freigestellt", hieß es in der Mitteilung weiter.

Der Investor für eine Übernahme des Flugbetriebs und die beiden Interessenten für Wartung und Technik seien jeweils abgesprungen. Laut Wienberg war der Zeitdruck letztlich entscheidend. Man hätte binnen zwei Monaten bis Ende März eine Lösung finden müssen. "Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen", sagte Wienberg.

Im Februar hatte die Airline mit fast 1.700 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Seitdem hätten rund 250 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Einige von ihnen seien von Konkurrenten abgeworben worden. "Der Arbeitsmarkt saugt derzeit noch viel auf", sagte Wienberg. Denn zahlreiche Unternehmen bräuchten Fachkräfte: "Piloten werden händeringend gesucht." Dies gelte auch für Techniker und Beschäftigte aus der Verwaltung.

Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet

Germania steuerte viele Reiseziele im Mittelmeerraum an. Jährlich hatte die viertgrößte deutsche Airline nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Passagiere befördert. Die Flugzeuge blieben mit der Insolvenz am Boden. Eigene Maschinen hatte die Fluggesellschaft nicht, die annähernd 30 Flugzeuge waren zuletzt nach Angaben des Insolvenzverwalters alle geleast.

Das eigentliche Insolvenzverfahren ist bislang noch nicht eröffnet worden, wie ein Sprecher Wienbergs mitteilte. Momentan läuft noch die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens. Über den Eröffnungstermin entscheidet ein Gericht auf Grundlage eines Gutachtens des Insolvenzverwalters. Anderen Airlines könnte es verstärkt darum gehen, an Germania-Slots heranzukommen. Damit sind die Start- und Landerechte an Flughäfen gemeint. Zum Beispiel hatte direkt nach der Germania-Pleite die Lufthansa-Tochter Eurowings Interesse an den Slots am Flughafen Düsseldorf gezeigt.