Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, erwartet bei einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und der Commerzbank kaum Wettbewerbsprobleme. "Einiges deutet darauf hin, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss, gegebenenfalls unter Auflagen, freigeben würden", sagte er der Rheinischen Post. "Denn die Geschäftsfelder der beiden Banken überschneiden sich entweder nur gering oder sind wenigstens spürbarem Wettbewerb ausgesetzt – auch noch nach einer möglichen Fusion."

Wambach, der zugleich auch Chef des Wirtschaftsinstituts ZEW ist, befürchtet vielmehr, dass die neue fusionierte Bank wegen ihrer Größe zu einem Systemrisiko werden könnte. "Durch den Zusammenschluss entsteht möglicherweise eine neue Bedrohung für die Finanzwelt, nämlich durch einen Anstieg des Systemrisikos", sagte er. Die Finanzkrise habe deutlich gemacht, dass große Banken nicht ohne Weiteres abgewickelt werden könnten und gegebenenfalls vom Staat gerettet werden müssten.

"Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit"

Am Sonntag hatten die beiden größten deutschen Banken bekannt gegeben, dass sie formelle Fusionsgespräche begonnen haben. Nach getrennten Sitzungen ihrer Vorstände teilten die Deutsche Bank und Commerzbank mit, dass man "ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss" aufnehme. Deutsche-Bank-Chefsprecher Jörg Eigendorf sagte, die Gespräche würden eine Weile dauern: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."

Sollten beide Institute tatsächlich fusionieren, entstünde die mit Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern, 1.400 Filialen in Deutschland, einem Marktanteil von rund 20 Prozent und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro. In Europa wäre das nach der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas das drittgrößte Institut. An der Börse wäre die neue Bank aktuell aber nur 25 Milliarden Euro wert – HSBC und BNP bringen es auf 145 und 55 Milliarden Euro.

Das Vorhaben wird auch von der Bundesregierung unterstützt – insbesondere von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und seinem Staatssekretär Jörg Kukies, dem früheren Deutschland-Chef von Goldman Sachs. Die Behörde erklärte: "Das Bundesfinanzministerium nimmt die Entscheidung der beiden Privatbanken, über die Möglichkeiten einer engeren Kooperation ergebnisoffen zu sprechen, zur Kenntnis. Wir stehen mit allen Beteiligten regelmäßig in Kontakt." Der Bund ist seit der Finanzkrise mit nun noch rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt.

Ver.di fürchtet Verlust von 20.000 Jobs

Kritik an den Fusionsplänen kommt von den Gewerkschaften, die mit dem Abbau von mehreren Zehntausend Stellen rechnen. Experten gehen davon aus, dass mindestens 30.000 Stellen wegfallen dürften. Stephan Szukalski, Chef der Bankengewerkschaft DBV, sagte dem Handelsblatt: "Unsere Einschätzung, dass eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank zum jetzigen Zeitpunkt ein großer Fehler wäre, ist unverändert." Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist klar gegen das Vorhaben. "Da würden 20.000 Arbeitsplätze und mehr im Feuer stehen", sagte ver.di-Chef Frank Bsirske. Die beiden Banken würden sich nicht sinnvoll ergänzen, sagte der Gewerkschafter, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt.

Tatsächlich waren die jüngsten Fusionen und Übernahmen in der Finanzwelt mit großen Arbeitsplatzverlusten verbunden. Dies gilt im Fall von Commerzbank und Dresdner Bank, von der Integration der Postbank in die Deutsche Bank sowie für die Übernahme der Münchner HypoVereinsbank (HVB) vor einigen Jahren von der italienischen Großbank Unicredit.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller warnte zudem vor einer Fusion zulasten der Verbraucher. "Steigende Preise und weniger Angebotsvielfalt können nicht der Kollateralschaden eines Banken-Champions sein", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) der Rheinischen Post.