Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat in den USA gegen das erste Urteil in einem Glyphosat-Prozess Berufung eingelegt. Die Bayer-Tochter Monsanto habe bei einem kalifornischen Gericht beantragt, das Urteil der Geschworenen im Fall Johnson gegen Monsanto aufzuheben und die Klage abzuweisen, wie Bayer am Mittwoch mitteilte.

Im August hatte ein US-Gericht Monsanto wegen einer Krebserkrankung des Klägers Dewayne Johnson zu 289 Millionen Dollar Schmerzensgeld verurteilt. Im Oktober reduzierte die zuständige Richterin die Zahlung auf 78 Millionen Dollar, wies die Forderung nach einem neuen Prozess aber zurück. Johnson war als Platzwart an einer kalifornischen Schule tätig und hatte dort jahrelang glyphosathaltige Produkte eingesetzt. Er wirft Monsanto vor, für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich zu sein.

Bayer teilte nun mit, die vorgelegten Beweise würden den Anforderungen zum Nachweis von Verantwortlichkeit und Kausalität bei Weitem nicht entsprechen. Das Unternehmen verwies auf "die übereinstimmend positiven Einschätzungen internationaler Regulierungsbehörden und die diesen Einschätzungen zugrunde liegenden umfangreichen wissenschaftlichen Nachweise, wonach Glyphosat nicht krebserregend ist".

In einem weiteren Verfahren wurde Monsanto im März von einer Jury in San Francisco zu 80 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. Die Geschworenen befanden, dass Glyphosat für die Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman verantwortlich sei. Bayer bestreitet ein Krebsrisiko durch Glyphosat. Unter Experten ist das umstritten. Aufsichtsbehörden in den USA, der EU und Deutschland haben keine Krebsgefahr festgestellt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) schrieb dagegen 2015 in einem Bericht, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Glyphosat wurde vom US-Saatguthersteller Monsanto entwickelt und ist heute eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel. Bayer übernahm Monsanto im Sommer für 63 Milliarden Dollar. In den USA laufen inzwischen wegen Glyphosat zahlreiche Klagen von mehr als 11.000 Klägern gegen das Unternehmen. Seit der Ankündigung der Übernahme hat sich Bayers Aktienkurs halbiert. Auf der Aktionärsversammlung am Donnerstag dürfte deshalb auch der Vorstand unter Druck geraten. Große Anteilseigner werfen der Unternehmensführung vor, die Risiken des Monsanto-Kaufs nicht richtig eingeschätzt zu haben.