Die Zahl der Beschwerden über Mängel bei der Postzustellung hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Insgesamt seien etwa 12.500 Beschwerden bei der Bundesnetzagentur eingegangen, teilte Jochen Homann, Präsident der Netzagentur, mit. Gemessen an der Einwohnerzahl kämen die meisten Beschwerden aus Hamburg und Berlin. Am seltensten hätten Verbraucher aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen den Service beanstandet.

Die meisten Beschwerden richten sich demnach gegen "wiederkehrende, spürbare regional oder temporär auftretende Zustellmängel". Der Bundesnetzagentur zufolge weisen die meisten Menschen, die sich beschweren, auf Missstände in der Briefzustellung hin, zum Beispiel Verspätungen oder tage-, manchmal wochenlange Ausfälle. Verglichen mit der Menge der täglich verschickten Briefe sei die Zahl der Beschwerden jedoch gering, sagte Homann. Nach eigenen Angaben stellt die Post an jedem Werktag etwa 57 Millionen Briefe in Deutschland zu. Bei Paketzustellungen beschwerten sich die meisten Verbraucher wiederum, dass Zusteller Benachrichtigungskarten in die Briefkästen einwerfen würden, ohne überhaupt zu klingeln. Zunehmend beklagten sich Postkunden und -kundinnen zudem über den Verlust von Sendungen.

Insbesondere der Konzern der Deutschen Post scheine nicht in der Lage zu sein, versprochene Leistungen kontinuierlich sicherzustellen, sagte Homann. Das Unternehmen wolle 5.000 neue Zusteller einstellen. Von diesem Schritt erwarte man sich "deutliche Verbesserungen". Um eine bessere Versorgung zu gewährleisten, habe die Bundesnetzagentur der Post erst kürzlich erlaubt, die Preise in der Zustellung um mehr als zehn Prozent zu erhöhen.

Zwölfmal so viele Beschwerden über Werbeanrufe wie im Vorjahr

Eine steigende Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden lässt sich im laufenden Jahr bislang nicht erkennen: Bis Ende April seien rund 4.750 Beschwerden über Postdienstleister bei der Netzagentur eingegangen, hieß es. Homann gab zu Bedenken, dass sich nicht eindeutig feststellen lasse, ob die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich öfter Anlass zur Beschwerde hätten. Denkbar sei auch, dass lediglich mehr Menschen von der Möglichkeit zur Beschwerde wüssten.

Die Bundesnetzagentur nimmt nicht nur Beschwerden über Postzusteller entgegen, man kann auch unerwünschte Werbeanrufe melden. Die Zahl dieser Beanstandungen habe im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht: Die Zahl von 5.000 Beschwerden im Jahr 2017 habe sich mehr als verzwölffacht – auf 62.000. Die Netzagentur habe in diesem Zusammenhang Bußgelder von insgesamt 1,1 Millionen Euro verhängt. "Wir haben unser Hauptaugenmerk auf die Verfolgung von Intensivtätern gelegt, die entweder durch ein besonders belästigendes Verhalten oder eine besonders hohe Zahl an geschädigten Verbrauchern auffielen", sagte Homann.