Deutsche Bank - Großinvestoren fordern Kurswechsel "Wir sind zu harten Einschnitten bereit", sagte der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Bei der Hauptversammlung waren die zahlreichen Probleme des Konzerns Thema. © Foto: Arne Dedert

Vorwürfe der Geldwäsche, eine gescheiterte Fusion, Verstrickungen in die Geschäfte des US-Präsidenten: Die Geschäftsführung der Deutschen Bank muss sich auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag mit zahlreichen Problemen beschäftigen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleiter sagte zu Beginn der Versammlung, man sei "trotz aller Schwierigkeiten (…) auf dem richtigen Weg". Zugleich kündigte er einen radikalen Wandel und das Bestreben an, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Skandale müssten aufhören.

Auch Christian Sewing, der seit rund einem Jahr dem Vorstand der Bank vorsitzt, sprach von "Transformation". Man sei zu harten Einschnitten bereit. Die Enttäuschung über den schlechten Börsenverlauf der Aktie sei seine Motivation, es künftig besser zu machen. Die Aktionäre müssten aber anerkennen, dass es der Geschäftsführung gelungen sei, das Geldinstitut wieder aufgebaut zu haben: Die Deutsche Bank "ist wieder profitabel", sagte Sewing. Und die Geschäftszahlen seien erfreulich: "Unsere Bilanz ist von so guter Qualität wie selten zuvor."

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist im vergangenen Jahr stark gesunken – vor Beginn der Hauptversammlung fiel er auf ein Rekordtief von 6,35 Euro. Doch das ist nicht der einzige Punkt, an dem sich Anteilseigner stören: Im vergangenen Herbst hatte die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin eine Sonderaufsicht für die Deutsche Bank angeordnet, um die Umsetzung von Vorgaben gegen Geldwäsche zu überwachen. Im November 2018 hatten die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt bei einer Razzia Büros der Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche durchsucht. Nach mehrwöchigen Verhandlungen scheiterte im April außerdem die geplante Fusion mit der Commerzbank.

Finanzbranche - Commerzbank-Chef prüft Alternativen zur Fusion Martin Zielke hält sich nach Ende der Gespräche mit der Deutschen Bank alle Optionen offen. Die Commerzbank prüfe Fusion, Zukäufe und Wachstum aus eigener Kraft. © Foto: Boris Roessler/dpa

Es gilt deswegen als möglich, dass die Aktionärinnen und Aktionäre dem Aufsichtsrat unter Achleitner und dem Vorstand unter Sewing die sogenannte Entlastung verweigern werden: Auf jährlichen Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften stimmen Anteilseigner ab, ob sie die Verwaltung der Gesellschaft durch die Führungsorgane im vergangenen Jahr billigen oder nicht. Die Abstimmung gilt als Vertrauensbekundung, rechtliche Konsequenzen hat das Ergebnis nicht. Für das Image eines Konzerns kann es aber negative Folgen haben, wenn Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlastet werden.

Kritik an Trump-Geschäften

Ein weiteres heikles Feld ist für die Deutsche Bank Donald Trump. Die Grünen haben den Vorstand des Konzerns vor der Versammlung aufgefordert, die Geschäftsbeziehungen zum US-Präsidenten und seiner Familie offenzulegen. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, ob Geldwäscheverdachtsanzeigen bei Russland-Geschäften der Trump-Familie in der Schublade verschwunden sind", sagte Sven Giegold, der die Grünen im Europaparlament vertritt, den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

Die New York Times hatte am Wochenende unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank berichtet, dass die US-Tochter des Geldhauses Berichte über verdächtige Transaktionen auf Trumps Konten zurückgehalten habe. Eine Software, die auffällige Zahlungen melden soll, habe Alarm geschlagen. Dem Bericht zufolge lehnten es Führungskräfte jedoch ab, diese Information zu Zahlungen von Trumps Konto und dem seines Schwiegersohns Jared Kushner weiterzugeben. Am Mittwoch hatte ein US-Bundesrichter entschieden, dass die Deutsche Bank die geschäftlichen Unterlagen Trumps an das von den oppositionellen Demokraten kontrollierte US-Repräsentantenhaus weitergeben darf. Das wollte Trump verhindern.

Die geschäftlichen Verbindungen der Deutschen Bank zu Firmen des US-Präsidenten und früheren Unternehmers reichen zwei Jahrzehnte zurück. Zeitweise hatte Trump Schulden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro.