Der Onlinehändler Amazon ist im jährlichen Ranking der wertvollsten Marken auf den ersten Platz gekommen und gilt damit als wirtschaftlich stärker als Apple und Google. Für die Rangliste, die von der Marktforschungsfirma Kantar erstellt wird, errechneten die Analystinnen und Analysten einen Markenwert für Amazon von 315,5 Milliarden US-Dollar. Damit ist der Wert des Unternehmens um 52 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Das entspricht 278 Milliarden Euro. Für Apple wurde ein Firmenwert von 309,5 Milliarden Dollar, für Google 309 Milliarden Dollar berechnet.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung von Amazon hat Kantar zufolge mit seinem vielfältigen Angebot zu tun. Die Firma sei nicht mehr nur ein Onlinehändler, sondern decke auch mit Angeboten wie Videostreamingdiensten oder einer Cloud-Infrastruktur weitere Konsumentenbedürfnisse in unterschiedlichen Kategorien ab. Mittlerweile gilt Amazon etwa im Bereich Videostreaming als größter Konkurrent für Netflix. Zugleich habe das Amazon-Management intelligente Aufkäufe getätigt, was den Unternehmenswert gesteigert habe. Zuletzt stieg Amazon etwa als Investor bei dem Essenslieferdienst Deliveroo ein.

Die Analystinnen und Analysten werteten auch positiv, dass es keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums bei Amazon zu erkennen seien.

Dem Ranking zufolge gehören außerdem Microsoft, Visa und Facebook sowie die beiden chinesischen Unternehmen Alibaba und Tencent zu den Top Ten.

Auch acht deutsche Unternehmen tauchen in dem Ranking auf – ebenso viele wie im Vorjahr. Dazu zählen SAP (16. Platz) und einem ermittelten Firmenwert von 57,5 Milliarden US-Dollar sowie die Deutschen Telekom (25. Platz) und die Autobauer Daimler und BMW (Rang 54 und 55). Auch DHL (Platz 88), Siemens (Platz 92), Aldi (96) und Adidas (100) sind in dem Ranking vertreten.

Das Analyseinstitut Kantar, das der britischen Werbegruppe WPP gehört, erstellt den internationalen Report für die hundert wertvollsten Marken jedes Jahr und baut die sogenannte "BrandZ"-Studie auf Verbraucherumfragen sowie den Geschäftszahlen der Unternehmen auf. Es ist eine von mehreren Studien, die den Wert von Marken berechnen.

Viel Kritik an Amazon

Hierzulande hat Amazon allerdings einen umstrittenen Ruf. Die Gewerkschaft ver.di versucht seit rund sechs Jahren, Tarifverhandlungen beim Versandhändler durchzusetzen, doch Amazon weigert sich. Die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten wollen, dass sie nach den üblichen Tarifen für den Handel bezahlt werden – aber der Onlinehändler lehnt das ab. Darum kommt es derzeit immer wieder an einzelnen Amazon-Standorten zu Warnstreiks. Zugleich kritisiert ver.di, dass Amazon die Gründung von Betriebsräten verhindere oder behindere. In der Kritik der Gewerkschaften stehen auch Investitionen in andere Plattformgeschäfte wie etwa der Deal mit Deliveroo. Denn das dürfte den Konkurrenzdruck und somit die ohnehin schon prekären Arbeitsbedingungen in der Branche noch verschärfen. 

Auch Datenschützer üben erhebliche Kritik an Amazon. Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Amazon die Mitschnitte seiner Sprachsoftware Alexa transkribieren und auswerten lässt, worüber die Nutzerinnen und Nutzer aber nicht informiert werden. Darüber hinaus bemängeln Klimaschützerinnen und Klimaschützer ebenso wie die Grünen, dass Amazon sowie weitere Onlinehändler neuwertige Retouren einfach vernichten.